Frankfurter Friedberger Landstraße

Lärm, Hetze und Tricks: So werden Mieter rausgeekelt

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Im Haus Friedberger Landstraße 98 in Frankfurt herrscht das Chaos. Frei werdende Wohnungen werden mutmaßlich mit Mietern aus Osteuropa überbelegt, die pro Kopf hohe Mieten zahlen müssen.

Frankfurt – Ein Frankfurter Ortsbeirat muss sich mit skandalösen Zuständen in einem Mietshaus befassen: Bedrohungen und Mehrfachbelegungen sind an der Tagesordnung. Ein Fall, der im Rhein-Main-Gebiet immer häufiger vorkommt. Von Monika Schieder 

Mit dem Haus Friedberger Landstraße 98 beschäftigte sich der Frankfurter Ortsbeirat drei (Nordend) in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag. Waltraud Meier-Sienel, die Leiterin des Frankfurter Amtes für Wohnungswesen, war für eine Anhörung gekommen. Sie betonte, dass es im gesamten Stadtgebiet ähnliche Probleme gebe.

In der Friedberger Landstraße 98 herrschten skandalöse Zustände, die bereits im Januar 2014 den Behörden gemeldet worden seien, stellte Rainer Krug, Vorsitzender CDU-Fraktion im Ortsbeirat, fest. In seinem Antrag heißt es weiter: „Unter anderem ergibt sich der naheliegende Verdacht, dass die Bestandsmieter auf völlig unakzeptable Weise durch unglaublichen Lärm Tag und Nacht, Schmutz und unhygienische Verhältnisse aus ihren Mieträumen gedrängt werden sollen. Es liegen auch Beschwerden über persönliche Bedrohung und Beleidigung vor. Zudem besteht der Verdacht, dass zu dem Zweck einer Entmietung des Gebäudes mit unakzeptablen Mitteln Menschen überwiegend wohl aus Osteuropa stammend für diesen Zweck instrumentalisiert und selbst ausgebeutet werden.“

Bewohner werden ausgebeutet

Es gab inzwischen eine Ortsbegehung, die allerdings dem Vermieter pflichtgemäß angekündigt war und die zu wohl eher untauglichen Ermittlungsergebnissen führte. Meyer-Sienel wies darauf hin, dass viele der Osteuropäer nicht freiwillig hier seien, aus städtischen Slums ihrer Heimat stammten und durch die Mieten ausgebeutet würden. Allerdings habe das Amt nur eine begrenzte Zahl von Mitarbeitern und es sei schwierig, die Hauseigentümer zu ermitteln. Oft gebe es seltsame Mietverträge und nicht immer sei festzustellen, ob es sich um nicht angemeldete Bewohner oder Besucher in den Wohnungen handele.

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Das Amt müsse all das vor Gericht beweisen können. Die Mieter selbst hätten meist Angst auszusagen und fürchteten die Ausweisung. Eine Verständigung sei oft nur mit Dolmetscher möglich. All diese Fälle erforderten einen hohen Bearbeitungsaufwand und oft die Beteiligung der Baubehörde, wenn es um ungenehmigte Matratzenlager in Kellern gehe. Eine „erschreckende Ergebnisarmut“ beklagte Rainer Krug. Solche Zustände wie in der Friedberger Landstraße 98 gebe es häufig in verkauften Häusern. Die Bestandsmieter sollten vergrault werden. Auch nach der Ortsbegehung im fraglichen Haus seien eine große Anzahl Menschen in Kleinbussen wieder ins Haus gebracht worden. SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Koch schlug vor, eine Art „Task Force“, eine schnelle Eingreiftruppe, zu bilden, die amtsübergreifend zusammengesetzt sei. Diese müsse eine Anlaufstelle sein, in der die Behörden auf dem kleinen Dienstweg zusammenarbeiten.

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