Die Ländersammlerin: Sie trinkt nur Tee und Ebbelwoi, um reisen zu können

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Nina Sedano zeigt auf das Land, das sie als Nächstes bereist, den Sudan. Dort wird sie auch Toiletten fotografieren für ihr Toilettenbuch (Infos: http://www.toiletten-buch.de).

Frankfurt – Reisen ist ihr Leben: Die Frankfurterin Nina Sedano verzichtet im Alltag auf Luxus, um ihre Leidenschaft zu finanzieren. Von 192 Ländern der Vereinten Nationen hat die 45-Jährige bereits 186 bereist, darunter Reiseziele, die in keinem Reisekatalog zu finden sind. Von Jennifer Dreher

„Ich bin nicht auf Selbstmordmission“, stellt die Frankfurterin klar. Ist ein Reiseziel zu gefährlich, bleibt ihm Nina Sedano erstmal fern. Auf Pfefferspray oder andere Mittel zur Verteidigung verzichtet sie trotzdem. „Passieren kann überall etwas, auch in Frankfurt. Daher mache ich mir darüber nicht so viele Gedanken, aber eine gewisse Vorsicht begleitet mich natürlich immer auf meinen Reisen“, berichtet die Frankfurterin.

Drei Tage auf Beton Boden schlafen

Außerdem habe sie gelernt, dass sich die Situation vor Ort schnell ändern kann und auch auf Aussagen anderer Reisender nicht immer Verlass ist. Eine Erfahrung, die sie nicht noch einmal machen will, hat sie bei ihrer Reise Ende vergangenen Jahres gemacht. „Im Zentralafrikanischen Republik gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, hat man mir gesagt. Am Ende musste ich dort im Grenzgebiet drei Tage auf dem harten Betonboden einer Lagerhalle schlafen. Zurückreisen konnte ich nicht, weil mein Visum nicht mehr gültig war. Nur ein dünnes Laken und eine Gebetsmatte aus Plastik waren mein Bett. Zudem gab es dort keine Elektrizität und das Klo war ein Loch mit vielen Kakerlaken im Boden“, erinnert sich Sedano.

Sedanos Reisebilder: Von Fliegenpilz-WCs bis  zur Traumlandschaft

Auf dieser Reise waren die Länder Nigeria, die Zentralafrikanische Republik, Kamerun und der Tschad ihre Ziele. Als bereist gilt ein Land für sie erst dann, wenn sie dort einen Tag verbracht und etwas gesehen hat: „Eine Zeit im Transit-Bereich des Flughafens verbracht zu haben, heißt für mich nicht, etwas vom Land gesehen zu haben.“

"Jedes Dorf wurde geschmiert"

Diese Toilettenhäuschen stehen in China.

An ein weiteres Abenteuer ihrer Reise in diesem Winter erinnert sie sich noch sehr gut: Die Fahrt durchs Rebellengebiet mit Militärbegleitung. „Das war richtig teuer. Jedes Dorf wurde dort geschmiert.“ Verzicht ist auch während dieser Etappe angesagt gewesen. Viele Menschen dort haben nicht einmal ein WC, geschweige denn Strom, wie Sedano berichtet. „Man lernt Deutschland sehr zu schätzen. Das vielfältige Angebot an Nahrung, die kulturellen Einrichtungen, meine schöne Wohnung“, berichtet die ehemalige leitende Angestellte eines Kreditkarteninstituts.
Seit neun Jahren ist sie überwiegend auf Reisen, kehrt aber immer wieder nach Frankfurt zurück. Woanders zu leben, kann sie sich momentan nicht vorstellen. Ihre Reisen finanziert sie unter anderem durch Mieteinnahmen und eisernes Sparen. „Ich trinke nur Tee, Wasser und Ebbelwoi, fahre Rad und kaufe nur selten Kleidung, ich schaffe mir nichts an, was ich nicht brauche und lebe seit vielen Jahren in meiner kleinen Wohnung“, sagt sie.

Sedano arbeitet an zwei Büchern

Neben dem Sparen verbringt sie auch viel Zeit damit, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Zwei Bücher hat sie bereits geschrieben. Eines davon zeigt Kurioses: Die Toiletten dieser Welt. Die will sie ihren potentiellen Lesern in einem informativen Sachbuch näher bringen. „Für meine Bücher suche ich noch einen Verlag, seriös, aber mit Humor“, sagt Sedano. Um diese Bücher mit weiteren Erlebnissen zu füllen, geht die Reise bald weiter. Ihr nächstes Ziel: Sudan.

Weitere Infos: www.toiletten-buch.de

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