Kurzarbeiter: Weniger Geld und große Angst um den Job

Offenbach - "Ich arbeite gerade mal acht bis zehn Tage im Monat", sagt Zengerle: "Ich bin gleich nach der Ausbildung in die Kurzzeit gerutscht." Die wenige Arbeit enttäuscht ihn. Auch die Stimmung in und um die Werkshallen von Manroland sei schlecht. Zengerle: "Ich habe keine Verpflichtungen.

Aber Kollegen müssen Kredite abbezahlen, haben Haus und Familie, die wissen nicht, wie sie das mit dem Geld schaffen sollen." Die Träume, die er mit dem ersten selbst verdienten Geld nach der Ausbildung hatte, sind geplatzt. Beispiel: Ein eigenes Auto. Trotzdem bleibt er gelassen. "Wahrscheinlich wird es momentan eine alte Kiste oder ich teile weiter mit meiner Mutter das Auto", sagt er.

Die Gelassenheit mit der Zengerle sich in sein Schicksal Kurzarbeit gibt, nennt Robert Weißenbrunner, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Offenbach eine gefährliche Lethargie. "Die Krise ist vielleicht in den Köpfen angekommen", sagt er: "Aber sie muss noch ins Herz und in die Füße gehen." Den Kurzarbeitern sei noch nicht bewusst, dass sie eventuell kurz vor der Arbeitslosigkeit stehen. "Wir haben mit Manroland einen Ergänzungstarifvertrag ausgehandelt", erklärt er und fügt hinzu: "Das schützt für ein Jahr die Jobs. Danach ist sicher, dass in Offenbach und Mainhausen Anfang 2010 erst einmal 515 Stellen gestrichen werden."

Das bestätigt auch Andrea Bleesen, Sprecherin von Manroland: "Wir versuchen den Mitarbeitern, die freiwillig gehen wollen, mit einer eigens eingerichteten Jobvermittlung bei der Arbeitssuche zu helfen." Doch Weißenbrunner bemängelt: "Es gibt momentan nicht ausreichend Jobs, die zu den Qualifikationen der Arbeitnehmer passen."Die Aussichten auf eine Besserung der Lage für Manroland sehen Weißenbrunner und Bleesen nicht. "Krisen gab es einige, aber die aktuelle ist mit der Geschwindigkeit und flächenmäßigen Ausdehnung die schwerste", sagt Bleesen: "Leider ist keine Trendwende in Sicht."

Manroland ist aber nicht das einzige betroffene Unternehmen. Auch die Karl-Mayer-Textilmaschinenfabrik und Herzing + Schroth in Obertshausen sind in Kurzarbeit. 2008 waren bei der Arbeitsagentur (Arge) in Offenbach 100 Kurzarbeiter angemeldet, 2009 sind es 7000. "Die Zahlen ändern sich täglich", sagt Dieter Starke, Geschäftsführer der Arge in Offenbach: "In zirka einem halben Jahr stehen die Firmen vor der ersten Weggabelung, dann wird neu über Kurzarbeit entschieden."Wenn sich die wirtschaftliche Lage bis dahin nicht bessert, drohen laut Gewerkschaftsfunktionär Weißenbrunner Massenentlassungen.

Mechatroniker Zengerle macht sich darüber noch keine Gedanken. Er will die Kurzarbeit nutzen, um seinen Techniker zu machen. Solche Maßnahmen werden vom Bund gefördert. "Mit meiner Ausbildung allein würde ich schlecht dastehen, wenn ich den Job verliere", sagt er.Psychologe Stefan Baier aus Offenbach sieht in der ständigen Beschäftigung mit der Lage um den eigenen Job eine Gefahr. "Kurzarbeiter sollten die freie Zeit nutzen, um all das liegen gebliebene zu erledigen und Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen", sagt er. Wer jetzt nur noch zu Hause sitzt und Trübsal bläst, der droht im schlimmsten Fall sogar depressiv zu werden. Er rät davon ab, sich voll und ganz auf die Jobsuche zu konzentrieren. "Momentan stehen die Chancen schlecht, einen neuen Arbeitsplatz zu finden", stellt er fest: "Daher sollten sich Kurzarbeiter nicht darauf versteifen, das führt zu Enttäuschungen." Wichtiger sei es, Perspektiven zu suchen. So macht es auch Martin Zengerle. Doch er gibt zu: "Ich verdränge die Angst."

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