Kurzarbeiter-Drama in der Region: Ein Aufschwung ist nicht in Sicht

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Martin Zengerle ist aufgrund der Wirtschaftskrise in Kurzarbeit.

Region Rhein-Main – 93.165 Kurzarbeiter sind aktuell in Hessen gemeldet, darunter auch Martin Zengerle, Mechatroniker bei Manroland in Offenbach. Sie alle bangen weiter um ihre Jobs. Von Jennifer Dreher

Durch leere Hallen schritt Martin Zengerle noch vor einem halben Jahr beim Druckmaschinenhersteller Manroland in Offenbach. Er hatte gerade seine Mechatroniker-Lehre abgeschlossen, arbeitete aber nur acht bis zehn Tage im Monat. Sein Wunsch, ein eigenes Auto nach der Ausbildung zu kaufen, blieb wegen der Gehaltseinbußen damit unerfüllt. „Ich arbeite mehr als noch vor sechs Monaten“, berichtet der 20-Jährige. Aber die Hoffnung, dass es mit der Wirtschaft bergauf gehe, habe er nicht. „Ich rechne mit Entlassungen“, sagt er. Trotzdem sucht er momentan keinen neuen Job. Die Arbeit gefällt ihm. Im nächsten Jahr will er die freie Zeit nutzen, um sich nebenher weiterzubilden.

Bei seinem Arbeitgeber Manroland sind momentan 6600 Angestellte auf Kurzarbeit – davon 2700 in Offenbach und Obertshausen. Das Unternehmen verzeichnet für die ersten acht Monate des Jahres ein Auftragsminus von 51 Prozent. Momentan habe sich das Unternehmen auf dem niedrigen Niveau eingependelt, so Pressesprecherin Eva Doppler.

Das hat Fredenhagen aus Offenbach nicht geschafft. Das Traditionsunternehmen ist pleite gegangen – nach 137 Jahren. 70 Mitarbeiter verloren ihren Job. „Bei Fredenhagen hat das sicherlich auch andere Gründe als allein die Wirtschaftskrise“, weiß Robert Weißenbrunner, Gewerkschaftssekretär derIG Metall Offenbach. Trotzdem sei die Lage nach wie vor angespannt. Es sei schwierig, Prognosen zu machen. „Es lässt sich weder sagen, dass die wirtschaftliche Lage besser noch schlechter geworden ist“, sagt Weißenbrunner. Es sei einfach auf dem gleichen Niveau geblieben.

Er rechne jedoch damit, dass sich die Krise in ein paar Monaten bemerkbar machen könnte, insbesondere bei den Zuliefererbetrieben für die Automobilindustrie in der Region. Für viele Kurzarbeiter bedeutet das weiter weniger Geld – für Martin Zengerle erstmal kein eigenes Auto.

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