Mit Fotograf Ulrich Mattner

Auf Foto-Safari durch den Frankfurter Rotlicht-Dschungel

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Mattner führt ambitionierte Hobby-Fotografen durchs Bahnhofsviertel. Rechts: Die Gruppe fotografiert einen Ziehharmonika-Spieler.

Frankfurt – Bewaffnet mit Kameras und Objektiven führt Ulrich Mattner Fotografen in die entlegendsten Ecken des Bahnhofsviertels. Der EXTRA TIPP war bei der Foto-Safari dabei. Von Christian Reinartz

Bordell-Fassaden im Neonlicht, Bettler an jeder Ecke und jede Menge kuriose Typen – das ist das Frankfurter Bahnhofsviertel. „Das ist hier wie gemacht für Street-Fotografen“, sagt Ulrich Mattner. Street-Fotografie ist eine Sparte der Fotografie, die sich im Wesentlichen auf Motive konzentriert, die einfach so und ungestellt auf der Straße vorgefunden werden. Je exotischer, desto besser.

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Dieses Eldorado will Mattner aber nicht nur für sich alleine. Er bietet für Foto-Amateure, aber auch Profis, regelrechte Foto-Safaris durch den schillernden Dschungeldes Rotlichtviertels und der angrenzenden Straßen an. „Ich habe mir hier bei der Recherche meines Fotobandes und meines Stadtteil-Führers sehr viele Kontakte aufgebaut“, sagt Mattner und führt die zwölfköpfige Truppe, noch etwas schüchterner Hobby-Fotografen, zielstrebig auf einen Mann mit Ziehharmonika zu. „Den kenne ich schon lange“, sagt Mattner und begrüßt ihn. Eine Minute später spielt der Mann wieder sein Instrument und lässt sich dabei von zwölf Kameras ablichten. Weiter geht es durch das bunte Treiben in die Kaiserpassage, in der Mattner über die richtige Gestaltung eines Porträts referiert. Nebenbei werden die bunten Auslagen samt lächelnder Ladenbesitzer abgelichtet. Vorbei am Schuhladen für Prostituierte geht es direkt ins Herz des Rotlichtviertels. „Hier kommt man sonst nicht hin“, sagt eine der Fotografinnen und visiert eine grell beleuchtete Hausfassade an.

Danach geht’s durch die Animierbars des Viertels samt Shooting mit einer Tänzerin. Zum Abschluss führt Mattner seine Gäste dann noch auf die schönste Dachterrasse im Bahnhofsviertel im Künstler-Hotel Nizza mit dem tollsten Skylineblick.

Mit Mattner ist der Besuch im Viertel gar kein Problem. „Die kennen mich hier schon und wissen, was ich mache.“ Die Teilnehmer profitieren davon. Nur selten drehen sich die Menschen weg, wenn die Fotohorde anrückt. „Wichtig ist nur, keine Junkies zu fotografieren“, warnt Mattner. In dieser Hinsicht seien diese sehr empfindlich.

Aber warum zieht es die Menschen gerade ins Bahnhofsviertel zum Fotografieren? Ein junger Mann, der die Foto-Safari bei Mattner zum Geburtstag geschenkt bekommen hat antwortet ganz am Anfang der Tour: „Ich hoffe, dass ich etwas die Scheu verliere, auf andere Menschen zuzugehen und sie zu fotografieren.“ Nach drei Stunden Safari im Großstadt-Dschungel ist ihm das zumindest gewiss. „Ich hätte doch nie gedacht, dass die Leute so offen sind, wenn man selbst ganz offen und interessiert auf sie zugeht.“

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