Oberurseler Projekt hilft straffällig gewordenen Jugendliche

Wenn aus Tätern Künsttäter werden

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Künstler sein, als Strafe: Bei den Kunsttätern lernen straffällige Jugendliche mit Werkzeugen, wie hier dem Schweißgerät und verschiedenen Materialien umzugehen.

Oberursel – Bei den Kunsttätern können straffällig gewordene Jugendliche ihre Sozialstunden ableisten und neue Inspiration für ihr Leben bekommen. Von Dirk Beutel 

Ob Diebstahl, Körperverletzung oder Sachbeschädigung – Jugendliche die zu den Kunsttätern kommen, haben so einiges auf dem Kerbholz. Einer, der solchen schweren Jungs neue Inspiration geben soll, ist Andreas Hett. Der Diplom-Sozialarbeiter und Kunsttherapeut arbeitet zusammen mit der Bildhauerin Regina Planz  an dem Projekt Kunsttäter. Die Idee: Den schweren Jungs einen Zugang zur Kunst zu vermitteln die damit ihre Sozialstunden ableisten können. Im Idealfall entdecken sie dabei sogar versteckte Talente und Interesse an einem Beruf.

Bisher haben um die 450 Jugendliche aus dem Hochtaunuskreis die Kunstwerkstatt besucht. Sie sind alle zwischen 14 und 21 Jahre alt. „Darunter in letzter Zeit immer mehr Mädchen. Der Anteil beträgt bis zu 15 Prozent“, sagt Hett. Einige haben sich diesen Platz ausgesucht, andere müssen dorthin. Hett: „Wir sind das letzte Auffangbecken. Viele finden es am Anfang schrecklich, etwas künstlerisches zu machen. Aber was auch immer der Jugendliche zum Ausdruck bringen möchte, das darf er auch.“

Einer von ihnen ist Holger Martin (Name geändert). Der 17-Jährige wurde wegen Rauschgifthandels zu 120 Sozialstunden und einem Drogenscreening verurteilt. Ihm gefällt die entspannte Atmosphäre und dass er mit den Händen arbeiten kann. „Umso mehr freue ich mich, dass ich eine Ausbildung zum Raumausstatter in Aussicht habe“, sagt er. Von der schiefen Bahn will er endgültig weg, die Kunsttäter haben ihm dabei geholfen.

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