Die „Asphalt-Schwalben Rhein-Main" über ihre Liebe zum Simson-Roller

Kult-Roller aus der DDR: Dieser Club fliegt auf die Schwalbe

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Stephan Gottschling, Präsident der Asphalt-Schwalben (Mitte), mit Michael Kasüschke (links) und Schwalben-Schrauber Markus Bonk. In diesem Jahr feiert der Club sein Zehnjähriges.

Region Rhein-Main - Für Stephan Gottschling gibt es nichts Schöneres, als mit seiner Simson-Schwalbe durchs Rhein-Main-Gebiet zu knattern. Und er ist nicht allein: Im Club „Asphalt-Schwalben“ dreht sich alles um die Liebe zum Kult-Roller aus der DDR. Von Kristina Bräutigam

Wenn Stephan Gottschling sich mit seiner saharabraunen Schwalbe Typ KR 51/2 auf den Weg macht, hat er immer zwei Fläschchen Öl dabei. 100 Milliliter benötigt er pro Tankfüllung, erst dann kommt das Benzin. So will es der Zweitaktmotor. „Wer seine Schwalbe liebt, mischt selbst“, sagt Stephan Gottschling. 

Der Sprendlinger weiß, was die alten Schätzchen brauchen. Er ist Präsident der „Asphalt-Schwalben Rhein-Main“, dem einzigen Club für Anhänger des Kult-Rollers aus der DDR in der Region. Die 40 Mitglieder fahren nicht nur die klassische Schwalbe. Auch auf Spatz, Star, Sperber und Habicht aus der sogenannten Vogelserie knattern sie durchs Rhein-Main-Gebiet. „Wir sind kein klassischer Verein. Was uns verbindet, ist die Leidenschaft für die alten Schätzchen“, sagt Stephan Gottschling. 

Früher verpönt, heute heiß begehrt

Einmal im Jahr fahren die Mitglieder nach Suhl in Thüringen. Hier, im Simson-Werk, hatte die Erfolgsgeschichte der Schwalbe 1964 begonnen. Stephan Gottschling ist im Osten aufgewachsen, ebenso wie Clubmitglied Michael Kasüschke. Damals halten sie nicht viel von dem Blechroller. „Die Großeltern sind Schwalbe gefahren. Da haben wir Jugendliche drüber gelacht“, sagt Gottschling. Schuld an der Liebe auf den zweiten Blick ist die Geschwindigkeit. Denn während bei anderen Motorrollern bei 45 Stundenkilometern Schluss ist, darf die Schwalbe 60 Sachen fahren. Zu verdanken ist dies einer Ausnahmeregelung im Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR, die bis heute gilt. Dass die Polizei ihn trotzdem manchmal anhält, amüsiert Gottschling. „Junge Beamte müssen dann erst mal googeln und lassen uns weiterfahren“.

Fotos: Die Simson-Schwalbe ist wieder angesagt

Wer allerdings auf puren Fahrspaß aus ist, sollte sich keine Schwalbe zulegen. „Irgendwas ist immer“, sagt der Club-Präsident. Die größte Schwäche des Blechrollers ist die Lichtmaschine: Hat der Fahrer das Licht an, setzt den Blinker und tritt die Bremse, geht die Schwalbe aus. Dann hilft nur kräftig am Gasgriff zu drehen – oder die Lichtmaschine umzurüsten. Für solche Fälle haben die Asphalt-Schwalben Markus Bonk. Der Zweiradmechaniker-Meister aus Offenbach kümmert sich um verschmutzte Tanks und abgenutzte Trommelbremsen oder besorgt Originalteile, wenn mal wieder ein Scheunenfund restauriert werden muss. Aus ganz Deutschland kommen Simson-Fahrer in seine kleine Werkstatt in der Feldstraße – und es werden immer mehr. „Die Schwalben sind Kult. Die Anfragen reißen nicht ab“, sagt Markus Bonk. 

Originalteil: Die Kniedecke, die sich ausrollen lässt und vor Wind und Regen schützt. Auf dem braunen Kindersitz nimmt der Nachwuchs Platz.

1.600 Ostmark hat die Schwalbe damals gekostet, heute müssen Liebhaber für einen gut erhaltenen Blechroller zwischen 1.500 und 2.500 Euro hinblättern. Stephan Gottschling hatte seine Schwalbe für 400 Euro im Osten gekauft und in Stand setzen lassen. Heute ist die Schwalbe, die auch über die Original-Kniedecke und einen integrierten Kindersitz mit Fußstützen verfügt, mindestens das Vierfache wert. Sein Schätzchen hergeben würde allerdings keines der Clubmitglieder. „So eine Schwalbe ist unbezahlbar“, sagt Schrauber Markus-Bonk. 

Alle Infos zum Club unter: www.asphalt-schwalben.de

Heute ebenfalls bei Sammlern sehr gefragt ist die Frankfurter Küche. Design-Liebhaber greifen dafür tief in die Tasche.

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