Kronberg: Kleines Kino mit ausgesuchten Schätzen

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eit einem Jahr führt Vanessa Müller-Raidt mit iShrem Mann Martin die Kronberger Lichtspiele.

Kronberg - Seit einem Jahr führt Vanessa Müller-Raidt die Kronberger Lichtspiele. Mit seinen besonderen Filmen ist das Kino ist ein echtes Kleinod im Kulturkalender. Von Dirk Beutel

Dort haben Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis Hausverbot. Große Kinoblockbuster, Actionkomödien oder Science-Fiction-Abenteuer, die ein Millionenpublikum anziehen, finden auf der Leinwand von Vanessa Müller-Raid keinen Platz. Seit einem Jahr ist sie die neue Besitzerin der Kronberger Lichtspiele. Übernommen hat die 41-jährige gelernte Bankkauffrau das kleine Kino aus dem Besitz der Familie Hirsch, die das Lichtspielhaus seit 1926 geführt hat. Müller-Raidt ist das Kino-Geschäft nicht fremd. Seit 26 Jahren führt sie ehrenamtlich mit weiteren vier Vereinsmitgliedern den Kinoverein in Kelkheim.

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Beruflich kommt die Mutter einer Tochter allerdings vom Börsenparkett. Doch der Handel mit Aktien und Devisen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Immer mehr Maschinen und immer weniger Menschen gehören zum Alltag. Müller-Raidt: „Deshalb dachte ich, warum nicht mein Hobby zum Beruf machen?“
Ein Film pro Tag, mehr Programm lohnt nicht. Und so klein das Kino mit seinen 181 Sitzplätzen, so groß die Konkurrenz im Umland. Nicht nur in Frankfurt, vor allem das CineCenter in Hofheim und das Kinopolis im MainTaunusZentrum spielen die großen Kassenschlager, die ein Millionenpublikum anziehen. Aus diesem Grund hat sich Müller-Raid, die das Kronberger Kino zusammen mit ihrem Mann Martin führt, ein eigenes Konzept entwickelt. „Wir zeigen den besonderen, den anspruchsvollen Film, der in anderen Kinos kaum oder gar nicht gespielt wird.“

Jeder Gast wird persönlich begrüßt

Dazu gibt´s obendrauf ein Bonbon. Denn Müller-Raidt legt großen Wert auf persönliches Kino. Das Publikum wird persönlich begrüßt und verabschiedet. Den Besuchern gefällt das, viele sind Stammgäste. „Ich nehme jeden Publikumswunsch außerdem sehr ernst. Deshalb achte ich auch genau auf Reaktionen bei Filmvorschauen. Ein wichtiges Kriterium, um neue Filme zu bestellen.“ Filmdisposition, Wareneinkauf, Kiosk, Buchhaltung, das Kino ist ein kleiner Wirtschaftsbetrieb. Natürlich kann Müller-Raidt nicht nur Prädikatsfilme zeigen, sie sucht sich nach langer Recherche die Rosinen aus, damit sich die Sitzreihen füllen. Um am Monatsende auch die Kasse zu füllen, braucht es hin und wieder einen Publikumsmagnet, der trotzdem ins Konzept passt. Der neue James Bond, oder etwa „Der große Gatsby“ oder „Da geht noch was“. „Da müssen wir Woche für Woche, immer aufs Neue den Spagat schaffen“, sagt Müller-Raidt.

Fürs Auge wird in jeden Fall etwas geboten. Die Technik im Lichtspielhaus ist auf dem neuesten Stand. Volldigitalisiert mit Dolby-Surround-Qualität. Dazu wurde die Inneneinrichtung komplett neu gestaltet. Leinwand, Sitze, Wandbezug, Teppichboden – alles in frischen Farben. Und auch das Programm soll etwas bunter werden: Für die Zukunft plant Müller-Raidt Lesungen und Opernübertragungen anzubieten.

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