Rentner wollen keine Opfer sein

Selbstverteidigung für Senioren: Kratzen, Beißen und Spucken erlaubt

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Durch einen kräftigen Schlag mit dem Ellbogen lernen die Krifteler Senioren, einen Angreifer außer Gefecht zu setzen.

Kriftel - Böse Buben aufgepasst, jetzt wird zurückgeschlagen: Rentner aus Kriftel wollen keine hilflosen Opfer mehr sein und haben sich beim Kurs Senioren-Selbstverteidigung angemeldet. Der EXTRA TIPP mischte sich unter die rüstigen Kämpferherzen. Von Oliver Haas

Falko Chlosta blickt auf das Messer des Täters. Blitzschnell dreht der 72-Jährige mit einem Kampfsport-Griff den Arm nach unten, die Waffe fällt zu Boden. Das Ganze ist nur eine Übung der Senioren-Selbstverteidigung in der Sporthalle der Weingartenschule in Kriftel. Über ein Duzend Ü-60 Männer und Frauen haben sich beim Kurs von Judo-Trainer Klaus Stoll angemeldet. „Ich möchte kein Opfer mehr sein. Wenn ein Jüngerer mich angreift, dann rechnet er in aller Regel nicht mit Gegenwehr. Wegrennen kann ich nicht mehr, also bin ich froh, dass ich mir zwei bis drei Techniken aneigne, um mich zu verteidigen“, so Chlosta. Er sei sich sicher, dass ihm dieser Kurs viel bringt. „Meine Frau hat jetzt schon Angst vor mir“, meint der Rentner aus Kriftel schmunzelnd.

Teilnehmer sollen fest zuschlagen

Der wichtigste Tipp von Kursleiter Stoll: „Man sollte bei Gefahr zunächst immer jemanden in der Nähe ansprechen: ,Hey, sie mit dem blauen oder roten Hemd: Holen Sie bitte die Polizei!“ Wenn sich eine körperliche Auseinandersetzung anbahnt, dann sollten Rentner die Hände hochnehmen, um zu zeigen, dass man friedfertig ist. „Gleichzeitig kann so eine Hand abgewehrt werden, die nach mir greifen will.

Wenn es hart auf hart kommt, dann kann so auch schneller zugeschlagen werden.“ Die Teilnehmer lernen, wie sie richtig fest zuschlagen und wie etwa ein Hebel gesetzt wird, um dem Angreifer den Arm zu verdrehen. Die Übungen, sollten laut Stoll täglich zu Hause geübt werden: „Denn erst nach 30 bis 40.000 Wiederholungen hat sich ein Schlag oder eine Abwehrbewegung verinnerlicht“, weiß der 64-Jährige.

Schlüssel als Waffe verwenden

„Ob Treten, Beißen oder Spucken, bei Gefahr im Straßenkampf ist alles erlaubt.“ Ältere könnten keine 15 Runden überstehen, da müsse man schon etwas heftiger reagieren. Selbst direkt auf die Augen könne man gehen, so Stoll. Ein Schlüssel könne etwa zur Waffe umfunktioniert werden, wenn man ihn zwischen die Faust klemmt und den Bart herausschauen lässt. „Wenn damit zugeschlagen wird, dann geht das sofort unter die Haut. Aber es schreckt den Täter auch vorher schon ab“, sagt Stoll. Grundsätzlich sei es aber immer besser dem Täter Wertgegenstände oder Geld einfach heraus zu geben, so Stoll. „Erst wenn Leib und Leben in Gefahr ist, sollte man sich wehren.“

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