Nils Müller und Stephan Odwarka

Sie kriegen alles klein: Sportholzfäller bei der Arbeit

Nils Müller (links) und Stephan Odwarka haben die Säge gepackt und die Axt geschultert: Im Mai starten die ersten Wettkämpfe für die beiden Sportholzfäller. Foto: fj

Region Rhein-Main – Sie gehören zu den zehn besten Sportholzfällern Deutschlands: Die Reinheimer Nils Müller und Stephan Odwarka machen in Wettkämpfen aus mächtigen Stämmen Kleinholz. Die Beschaffung ihrer Trainingsgeräte bereitet jedoch einige Mühe. Von Franziska Jäger

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Auf den richtigen Schliff kommt es an

Im Hinterhof von Stephan Odwarka stapeln sich die Holzscheite, der Boden ist bedeckt mit Sägespänen. Der Kfz-Meister steigt auf einen Holzblock, schwingt die Axt über den Kopf und lässt es meterweit dicke Splitter regnen. Nebenan arbeitet sich sein Trainingskollege Nils Müller mit einer zwei Meter langen Handsäge durch einen halben Meter dicken Baumstamm und bläst dabei die Backen auf. Die beiden Reinheimer ringen nach Luft: Nach der viermonatigen Winterpause müssen sie erst wieder zur alten Form finden. Das Ziel ist klar: Erneut eine gute Platzierung bei den Deutschen Meisterschaften der Stihl-Timbersport-Series im August zu holen.

Das Sportholzfällen hat seine Wurzeln in Kanada, Australien, Neuseeland und den USA. Dort ist es College- und Nationalsport. „In Deutschland machen das etwa 20 bis 25 Männer“, schätzt Odwarka. Die Zahl der Frauen sei mittlerweile auf sechs gestiegen. Viele probieren sich nur aus, bleiben nicht dauerhaft dabei.

Enorme Belastung für den Körper

Die beiden Reinheimer haben die Axt nicht mehr aus der Hand gelegt, seit sie vor etwa sechs Jahren aus Spaß und Neugier an einer Hobby-Holzfällermeisterschaft in ihrem Wohnort teilgenommen haben. „Vorher wusste ich nicht einmal, dass es sowas gibt“, sagt der 32-jährige Odwarka.

Bis Saisonende müssen er und der 31-jährige Heizungsbaumeister Müller nun gegen Muskelkater und Erschöpfung kämpfen. Vier oder fünf Mal die Woche trainieren sie, wenn das Wetter mitspielt. Drei Stunden – oder auch mal den ganzen Tag. Auf dem Wettkampfprogramm stehen jeweils drei Axt- und drei Sägedisziplinen. Für den Körper bedeutet das enorme Impulsbelastungen zwischen kurzen Regenerationsphasen. „Das Sägen ist nicht ganz so anstrengend“, sagen beide. Immerhin kommt in der Disziplin Hot Saw auch die Motorsäge zum Einsatz. Doch die ist 27 Kilo schwer und mit einer Kettengeschwindigkeit von 240 Kilometern pro Stunde auf Höchstleistung getunt. Die Handhabung erfordert, wie in den anderen Disziplinen, gleichermaßen Kraft, Ausdauer und Technik.

Training mit Videoanalyse

An letzterer feilen Müller und Odwarka mithilfe von Videoanalysen. Die Trainingsgeräte teilen sie sich: „Ich warte jetzt schon seit drei Jahren auf meine Säge“, sagt Odwarka. Die riesige, 1600 Euro teure Säge wird nur von zwei Firmen in Kanada und Neuseeland hergestellt. Das Pappelholz muss über Forstämter und Baumfällfirmen beschafft werden. 20 Festmeter zerkleinern die beiden pro Jahr zu Trainingszwecken. Darüber freuen sich auch die Nachbarn in Reinheim: Die dürfen das Trainingsmaterial nämlich im eigenen Kaminofen verfeuern.

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