Diabetes: Doch Kreis und Krankenkasse wollen keinen Betreuer bezahlen

Kranke Lana darf nicht auf Kita-Ausflüge

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Die vierjährige Lana hat Diabetes. Mutter Vivien Risch kämpft für einen Integrationshelfer, der Lana im Kindergarten begleitet.

Heusenstamm – Das Leben der vierjährigen Lana ist mit Diabetes nicht leicht. Noch schwerer wird es, weil sich der Kreis Offenbach und die Krankenkasse streiten, wer die Kosten übernehmen soll, damit Lana auch bei Kita-Ausflügen medizinisch versorgt wird. Von Christian Reinartz 

Für Vivien Risch ist die Sache klar. „Der Kreis Offenbach will das aussitzen und warten, bis meine Tochter gar nicht mehr in den Kindergarten geht.“ Das Problem: Lara hat Diabetes. Mehrmals täglich muss der Blutzuckerspiegel der Kleinen kontrolliert werden. Das übernimmt zumindest morgens und mittags ein Pflegedienst. Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. „Das klappt auch ganz gut, zumal die Erzieherinnen in der Kita selbst noch ein Auge auf Lana haben.“ Risch weiß jedoch, dass das der Kita Probleme macht. „Ich habe schon mehrfach signalisiert bekommen, dass Lana die Erzieherinnen besonders viel Zeit kostet.“ Dazu kommt: Lara ist jetzt alt genug, um an Ausflügen, etwa in den Wald, teilzunehmen. „Aber das kann meine Kleine nicht, weil niemand da ist, der ihr den Zucker misst“, sagt Risch.

Aus diesem Grund und um die Kita zu entlasten, beantragt sie beim Kreis Offenbach einen Integrationshelfer, der Lana stundenweise begleiten soll. „Aber die haben das einfach abgelehnt und die Verantwortung der Kasse zugeschoben“, sagt Risch verärgert. Dabei habe Lana einen Behindertenausweis. „Und behinderte Kinder haben doch ein Anrecht auf eine solche Unterstützung.“

Der Kreis hat abgelehnt

Beim Kreis Offenbach sehen das die Verantwortlichen offenbar anders: „Das Bundes-Sozial-Gericht hat 2005 geurteilt, dass die ständige Beobachtung eines Patienten, um jederzeit medizinisch-pflegerisch eingreifen zu können von der Krankenkasse als sogenannte Behandlungssicherungspflege zu finanzieren ist und diese auch in Kitas und Schulen sicherzustellen ist“, sagt Pressesprecherin Ursula Luh. Das gelte natürlich auch bei Ausflügen, denn diese würden zum Kita-Aufenthalt gehören. Deshalb habe der Kreis abgelehnt.

Auf Nachfrage zeigt sich Kreis kompromissbereit

Dennoch zeigt sich der Kreis auf Nachfrage des EXTRA TIPPs offenbar kompromissbereit. „Bei einem Gespräch mit den Eltern wurde vereinbart, dass wir Kontakt mit Krankenkasse, Kita und beratender Klinik zur Klärung der Sache aufnehmen“, sagt Luh. Ziel sei ein runder Tisch, sofern nicht schon im Vorfeld eine Lösung erzielt werde.

Vivien Risch ist über diesen plötzlichen Sinneswandel erstaunt. „Bisher wurde das alles strikt und ohne jede Form des ntgegenkommens abgelehnt.“ Im Gegenteil: Der Sachbearbeiter habe sich sogar über ihre Forderung mokiert und klar gesagt, „dass wir uns da keine Hoffnungen machen sollten.“ Sogar, als die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehmen will, lehnt der Sachbearbeiter unnachgiebig ab. Erst bei einem Gespräch mit dem Vorgesetzten, sei der Ton freundlicher geworden. „Aber auch da war kein wirkliches Entgegenkommen. Der Herr hat mir auch nur tausend Paragrafen zitiert, warum der Kreis das nicht bezahlen müsse, sondern die Krankenkasse.“

Das nach dem Eingreifen des EXTRA TIPPs nun offenbar Bewegung in die Sache kommt, gibt Risch Hoffnung.

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