Kreative Meister des Hochprozentigen

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Ralf Henrich (links) mit dem Fino Sherry-Whisky und sein Bruder Holger mit dem Whisky, der im Portwein-Fass gereift ist. 

Kriftel – Mit Obstbränden und Wein kennen sie sich aus. Ob Quitten, Himbeeren oder Mirabellen: Ralf und Holger Henrich machen aus jedem Obst etwas Hochprozentiges. Vor drei Jahren haben sie sich an ein neues Projekt gewagt: Krifteler Single Malt Whisky. Und der wurde sogar schon ausgezeichnet. Von Julia Renner

 „Mit Whisky hatten wir früher nichts zu tun“, sagt Ralf Henrich. Zumindest beruflich nicht. Privat sind sie Whisky-Fans und diese Liebe war es schließlich auch, die sie den Sprung wagen ließ. Ein befreundeter Händler aus Hofheim bemängelte einmal, dass es kaum deutschen Whisky gebe. „Und man muss immer mal etwas Neues machen“, sagt Holger Henrich.

Die Auszeichnungen, die die Brüder in diesem Jahr bei der Edelbrandmeisterschaft „Destillata“ bekommen haben.

Ein Jahr lang haben sie recherchiert, welche Rohware und welche Fässer am besten geeignet sind. Ende 2008 haben sie einen Versuch mit einer kleinen Portion Whisky gemacht. Nach drei Monaten haben sie gemerkt: „Der entwickelt sich gut.“ Anfang 2009 haben sie dann richtig losgelegt. Einen Whisky haben sie in einem alten Portwein-Fass gelagert, den zweiten in einem Fino Cherry-Fass. Obwohl sie noch nicht wussten, wie der Hochprozentige ankommt, haben sie 2010 gleich die nächsten Fässer gefüllt, ebenso in 2011.

Im Juni dieses Jahres war es dann soweit: Die ersten rund 900 Flaschen wurden nach drei Jahren abgefüllt. Mehr als 200 davon waren da schon längst verkauft. Das Projekt hatte sich rumgesprochen, immer wieder hatten Kunden nach den Whiskys gefragt. Und weil die Nachfrage so groß war, haben sie Zertifikate vergeben. Sobald die Flaschen abgefüllt waren, konnten die Zertifikate gegen Flaschen getauscht werden. „Für uns war die große Nachfrage natürlich ein Ansporn“, sagt Holger Henrich.

Jetzt sind nur noch gut 200 von den Flaschen übrig, die den Namen Gilors tragen. „Ein Fantasiename“, sagt Holger Henrich. Aus dem Gälischen frei übersetzt bedeute es „goldenes Wasser“. Und dieses goldene Wasser macht die Brüder ziemlich einzigartig in der Region. Denn im Rhein-Main-Gebiet, sagen sie, gibt es keine weitere Whisky-Brennerei.

Mittlerweile haben sich die Brüder einen guten Ruf längst auch über die Grenzen der Region erarbeitet. Im Frühjahr waren sie erstmals in Österreich bei der „Destillata“ dabei, einer Meisterschaft für Edelbrände. 187 Betriebe aus zehn Nationen nahmen insgesamt teil. Obwohl der neue Whisky damals noch nicht fertig war, haben sie ihn an die Jury geschickt – als Kornbrand. Insgesamt hatten sie 26 Proben ihrer hochprozentigen Getränke eingereicht. 23 wurden später ausgezeichnet, darunter mehrere mit Gold. Und der Whisky aus dem Cherry-Fass, der damals noch gar kein richtiger Whisky war, wurde sogar zum „Edelbrand des Jahres“ ernannt. Außerdem brachten die Brüder den Titel „Newcomer des Jahres“ mit nach Hause. „Das war echt verrückt“, sagt Holger Henrich. 2013 wollen sie wieder mitmachen.

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