Kreativ sein und sich auch mal zum Idioten machen

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Herumklettern gehört zu seiner Arbeit: Erzieher Mario Könnecke.

Königstein – Männliche Erzieher in Kindertagesstätten sind eine Rarität. Mario Könnecke vom evangelischen Kindergarten in Königstein ist eine davon. Der 25-Jährige wirbt dafür, dass Männer wie er in Zukunft zur Normalität gehören. Von Norman Körtge

Ja, es gibt sie, die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Erziehern. Und das ist auch gut so. „Es ist aber nicht das Klischee, dass ich dafür da bin, um mit den Jungs zu kicken“, erzählt Mario Könnecke. Vielmehr sei es der andere Umgang mit Situationen. „Wenn ein Kind auf einen Baum klettert, wollen meine Kolleginnen es zurückpfeifen. Ich sage: ‚Lass es doch klettern‘“, berichtet er von seinem angstfreieren Umgang und bedient damit absichtlich ein anderes Klischee. „Kinder ziehen sich aus der Erziehung jeweils die Sachen raus, die sie brauchen“, meint Könnecke. Und für den richtigen Mix sei das Nebeneinander von männlichen und weiblichen Erziehern eben das Beste.

Doch von dieser idealen Mischung ist Deutschland ganz weit weg. Nur knapp drei Prozent aller Fachkräfte in Kitas sind Männer. Deshalb gibt es auf Bundes- und Landesebene sowie von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau „Mehr Männer in Kitas“-Projekte.

Gut ausgebildete Männer werden mit Kusshand genommen

Bei Mario Könnecke stand der Berufswunsch Erzieher schon früh fest: „Ich habe schon als Jugendlicher auf meine kleinen Cousinen und Cousins aufgepasst“, erzählt er. Und nach seiner Ausbildung im Sauerland bewarb er sich für eine freie Stelle im evangelischen Kindergarten in Königstein. Und auch nach vier Jahren ist es noch sein Traumjob. „Die Begeisterung und Freude der Kinder, das intensivere Erleben der Jahreszeit“, schwärmt Könnecke. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei momentan ausgezeichnet, gut ausgebildete Männer würden mit Kusshand genommen und könnten auch relativ schnell die Karriereleiter nach oben erklimmen. „Das liegt aber daran, dass Frauen aus den unterschiedlichsten Gründen das auch gar nicht anstreben“, sagt Könnecke, der mit seinen 25 Jahren bereits stellvertretender Kita-Leiter ist.

Trüben lässt sich sein Enthusiasmus für den Beruf auch nicht, dass manchmal eine Art Generalverdacht, nach dem Motto „Ein Mann, der gerne mit Kindern spielt – da stimmt doch was nicht?“ im Raum steht. „Der löst sich nach den ersten Gesprächen in Luft auf“, weiß Könnecke. Generell sei eine gute Kommunikationsfähigkeit eine Grundvoraussetzung für den Beruf, denn es müssten auch Elterngespräche geführt werden. „Man sollte auch seine Stärken kennen, kreativ und neugierig sein“, zählt der Erzieher weitere Eigenschaften auf. Ganz wichtig sei aber, dass man sich selbst nicht immer zu Ernst nimmt und sich auch gerne mal vor den Kindern zum Idioten macht. Für junge Männer, die nun Interesse an der Arbeit mit Kindern hegen, bietet Mario Könnecke Praktikumsplätze an.

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