Die Krawatte gilt als Schmuckstück

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Katharina Höchemer steht für richtige Umgangsformen.

Region Rhein-Main – Schon Adolf Freiherr von Knigge wusste: „Der richtige Umgang mit den Menschen macht’s. Von Jens Dörr

“ Knigge? Da Fleiß und gute Zeugnisse im Business nicht für jede Position ausreichen und Manieren überhaupt für jeden Vorteile bringen, hat sich eine Frau ein Ziel gesetzt: Katharina Höchemer (33) von der Knigge-Gesellschaft will den Benimm ins Rhein-Main-Gebiet bringen.

Beim Gespräch mit dem EXTRA TIPP macht Katharina Höchemer auf dem Flugplatz Egelsbach alles richtig: Die Kaffeetasse nimmt sie am Henkel – „dafür ist der ja da“. Und auch sonst lebt die Frau das vor, was sie vermittelt. Zwischen dem Nippen am heißen Getränk streift sie die wichtigsten Bereiche in Job- und Privatleben und weiß Hinweise en masse zu geben. „Ob Meeting, Date oder Essen – gutes Benehmen fängt mit Rücksicht an, das erleben wir mit allen fünf Sinnen“, stellt sie grundlegend heraus. Das sei die Basis für alle Bereiche.

Benimm ist in

Bei der Kleidung: Während privat vieles erlaubt ist, gelten beim Geschäftstreffen einige Grundsätze. Der erste Eindruck entsteht übers Visuelle, so dass neben Gestik und Haltung auch die Kleidung eine hohe Bedeutung für die Meinungsbildung besitzt. Männer liegen in wichtigen Meetings mit Anzug, Hemd und Krawatte richtig. Das Sakko sollte stets geschlossen sein, beim Sitzen darf der unterste Knopf geöffnet werden. Die Krawatte ist laut Höchemer „das Schmuckstück des Herrn“. Billige Exemplare schaden dem Auftritt. „Krawattennadeln gehen derzeit gar nicht, instecktücher dagegen schon“, sagt Höchemer. Ein Button-Down-Hemd ist nach den Empfehlungen der Knigge-Gesellschaft ohne Krawatte zu tragen. „Unsere Empfehlungen sind nicht willkürlich, sondern lehnen sich nur an den alten Knigge an und werden aus aktuellen Untersuchungen, Befragungen und Erkenntnissen von Psychologen abgeleitet.“ Beispiel für Veränderung: Bei Frauen darf der Rock mittlerweile eine Handbreit über dem Knie enden. Früher musste der Rock über das Knie gehen.

Plumpe Anmachen sind tabu

Beim Meeting: Neben dem aufmerksamen Zuhören und der Vermeidung von Jargon beim Gespräch gilt für den ersten Eindruck: Der Händedruck sollte mittelstark sein, die Hand nicht halb erfroren, „kein kalter Fisch“, wie Höchemer betont – das wirke gleich befremdlich. Und: „Visitenkärtchen kommen immer gut an.“

Beim Date: Plumpe Anmachen sind tabu. Auch junge Frauen mögen es, wenn man ihnen die Tür aufhält – selbst in den Mantel helfen ist nicht mehr als spießig verschrien. Augenkontakt sollte häufig aufgenommen, ein „Sicherheitsabstand“ von etwa einer Armlänge gewährt werden.

Nicht kratzen, in der Nase bohren oder rumzappeln

Beim Essen: Eine Serviette ist ein Muss, sie gehört halb zusammengelegt auf die Hose. „Mahlzeit“ sollte man nur sagen, wenn es – etwa in der Kantine – alle sagen. „Gesundheit“ sagen ist inzwischen wieder akzeptiert. Das Besteck sollte man nicht „auf Kampfhaltung“, also gen Gegenüber oder nach oben halten. Am Kopf kratzen, an Ohren, Haare oder Nase packen sollte möglichst ganz vermieden werden. Gläser soll man am Stil halten. Für einige eine Umgewöhnung: „Wie alles muss man das durchaus üben“, so Höchemer.

Surf-Tipp mit weiteren Hinweisen gibt es unter: www.knigge-in-mainhattan.de.

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