Kopflos im Internet: Das sind die schrägsten Trends

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Horsemanning gehört zu den schrägsten Trends im Internet.

Kelkheim – Sie heißen Teapotting, Owling, und Horsemanning und ihr einziger Zweck ist es, Zuschauer zu verwirren. Der EXTRA TIPP stellt die schrägsten Internet-Trends vor. Mit denen hat sich jetzt auch das Zukunftsinstitut in Kelkheim beschäftigt. Von Julia Renner

Kelber, Mit-Autorin des Trendreports 2012 des Zukunftsinstituts in Kelkheim.

Steif wie ein Brett mit dem Gesicht nach unten liegen, am besten an öffentlichen Orten und gerne auch an solchen, die eigentlich nicht fürs Liegen geeignet sind, in Gepäckablagen im Zug beispielsweise. Das ist Planking. Wahrscheinlich stammt der Trend aus Australien. So ganz genau kann das aber niemand sagen, denn solche Phänomene „werden normalerweise von anonymen Usern in Umlauf gebracht und weiterverbreitet“, sagt Cornelia Kelber, Mit-Autorin des Trendreports 2012 des Zukunftsinstituts in Kelkheim . Fest steht: „Planking ist das Ausgangsphänomen und mittlerweile am etabliertesten“, sagt Kelber.

Das kann Tilo Hillmer nur bestätigen. Der Frankfurter hat im Sommer stocksteif in manchem Bett und auf manchem Schreibtisch gelegen, um sich fotografieren zu lassen. Mit fünf Freunden hat er sogar auf einem Zebrastreifen in Frankfurt gelegen.

Die Reaktionen der Leute darauf seien unterschiedlich: Die einen gucken doof, die wenigsten sagen etwas, die meisten lächeln. Doch warum macht der 46-Jährige das? „Weil ich‘s kann“, sagt er. Man müsse sich auch mal trauen, doof zu sein in diesem Leben, in dem alles ergebnisorientiert und vernünftig ist.

Doch es gibt noch weitere kuriose Arten, sich im Netz zu präsentieren. Horsemanning zum Beispiel. Dabei positioniert man sich so, dass der Kopf nicht mehr zu sehen ist. Dafür ist, an einer anderen Stelle, der Kopf einer anderen Person zu sehen, der von der ersten Person berührt wird. Beim Owling dagegen braucht man keinen Partner. Einfach in die Hocke gehen und das an einem möglichst untypischen Ort wie einem Hausdach. Besonders skurril kommt Deading daher. Vor allem in Korea ist das populär, weiß Trendforscherin Kelber. Man legt sich auf den Boden und versucht möglichst überzeugend, tot auszusehen.

Pillaring ist das Gegenteil von Planking. Dabei stellt man sich steif hin. Ebenso harmlos ist das so genannte Teapotting: Dabei nimmt man die Form einer Teekanne an. Einen Arm in die Hüfte stemmen, was den Henkel darstellt, den anderen Arm ausstrecken und anwinkeln, um die Tülle zu symbolisieren.

Planking: Frankfurter legen sich steif auf einen Zebrastreifen. 

Eher für sportliche Typen geeignet ist das Batmanning. Kopfüber hängt sich der Performer an eine Stange, zum Beispiel in der U-Bahn. Besonders verwirrend für Zuschauer ist auch das Coning. Das ist eine Handlung, die das Gegenteil von dem ist, was eigentlich passieren sollte. Wenn man beispielsweise ein Eis in einer Waffel kauft, packt man nicht die Waffel an, sondern greift verkehrt herum danach, also direkt in die Eiskugel.

Kelber vermutet den Reiz darin, „die Grenzen des Konformen, Normalen, Angepassten zu überschreiten und dabei trotzdem nicht allein zu sein“.

Die Halbwertszeit solcher Foto-Künste ist kurz. Etwa zwei Wochen, sagt Kelber. Allerdings dauere ein Internetjahr auch nur 2,7 Monate, habe eine Studie herausgefunden. Das größte Potenzial hat Planking, glaubt Kelber. Denn damit hat der Performance-Trend nicht nur angefangen, es ist auch am weitesten verbreitet.

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