Der Kopf knackt wie eine Eierschale

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Puppendoktorin Christa Körber mit Patientin Franziska. Ihr ist der Kopf abgebrochen.

Langen – Der Gang zur Puppen- und Bärenbörse nach Langen fiel Brigitte Katczynski vergangenen Sonntag nicht leicht. Denn sie hatte mit Franziska dort einen Arzttermin – jedoch keinen gewöhnlichen. Denn Franziska ist eine Puppe, sie musste zum Puppendoktor. Ihr ist der Kopf abgebrochen. Von Silke Gottaut

Ihr Kopf knackt wie eine Eierschale und ihre blauen Augen schauen ängstlich. In zwei Teile zerlegt liegt Franziska auf dem OP-Tisch. Puppendoktorin Christa Körber demonstriert, wie zerbrechlich Franziskas Kopf ist. Mit leichtem Fingerdruck zerspringt ein Stück Kopf in viele kleine Einzelteile.

Aber nicht nur Franziskas Augen schauen traurig aus: „Es tut ganz schön weh, zu sehen, wie der Kopf auseinanderbricht“, sagt Brigitte Katczynski. „Die Puppe hatte schon meine Oma.“ Doch zu retten ist der abgebrochene Kopf nicht mehr. Für Körber ist das jedoch keine besondere Operation. Sie operiert Puppen und Teddys seit 22 Jahren daheim in Dortmund und deutschlandweit auf Puppen- und Bärenbörsen. Als sie Franziska genauer untersucht, stellt sie fest, dass ihr Kopf nicht zu dem Rest des Körpers passt. „Ihr Kopf besteht aus anderem Material als ihr Körper, der von zirka 1910 ist. Sie muss also schon eine Kopf-Operation hinter sich haben.“ Bei ihrer zweiten Operation bekommt sie zwar einen neuen Kopf, aber ihre Augen und ihre braunen Haare werden in diesen wieder hinein operiert. „So hat der Besitzer das Gefühl, dass es noch seine Puppe ist.“

Franziska ist nicht die einzige Patientin an diesem Tag. Auch Karlchen muss sich dem Arzt fügen. „Er hat zwei unterschiedlich lange Arme“, erklärt Inge Helfmann aus Langen. Aber das ist nicht das Einzige: „Er hat einen Erwachsenen-Kopf, aber Baby-Beine“, entdeckt die Puppendoktorin. Karlchen ist mindestens 80 Jahre alt und hat auch einiges hinter sich. Er lebte erst jahrelang bei der Cousine von Helfmanns Vater, dann bei einer Freundin, nun bei ihr. „Wenn Karlchen wieder zwei gesunde Arme hat, kommt er wieder in den Glasschrank zu den etwa 80 anderen Puppen und Bären“, sagt die Puppenmutter.

Doch das dauert noch. Denn die Puppendoktorin hat jede Menge Arme, Beine und Köpfe zu operieren. Erst bei der nächsten Langener Puppen- und Bärenbörse im Februar kommen die Patienten wieder zurück zu ihren Besitzern.

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