Ungleiche Partner

Main-Taunus-Kliniken und Klinikum Höchst schlüpfen unter ein Dach

Die Main-Taunus-Kliniken (links der Standort Bad Soden) und das Klinikum Höchst in Frankfurt streben eine Zusammenarbeit an. Ein Gutachten unterstützt das Vorhaben. Fotos: Main-Taunus-Klinken, Klinikum Höchst (nh)

Region Rhein-Main – Der Konkurrenzkampf ist hart: Krankenhäuser gibt es genug im Rhein-Main-Gebiet. Jetzt wollen die Kliniken Höchst und Main- Taunus fusionieren. Von Dirk Beutel 

Schätzungsweise weit über 40 stationäre Einrichtungen gibt es im Umkreis von 30 Kilometern im Rhein-Main-Gebiet, die sich gegenseitig Patienten und damit auch Kunden wegschnappen. Vor allem kommunale Krankenhäuser spüren zunehmend den Kosten- und Konkurrenzdruck. Das gilt auch für die Kliniken des Main-Taunus-Kreises, die im operativen Geschäft zwar noch eine „rote Null“ aufweisen können, jedoch mit 107 Millionen Euro hoch verschuldet sind. Noch im September hatte der Kreis einen Kredit von acht Millionen Euro bewilligt, um die Arbeit der Kliniken in Bad Soden und Hofheim aufrechtzuerhalten. Ungleiches Bild nur ein paar Kilometer weiter östlich: Das Klinikum Höchst ist schuldenfrei, arbeitet aber stark defizitär.

Beide Krankenhäuser könnten sich langfristig finanziell nicht halten

Damit soll bald Schluss sein. Geplant ist, beide Kliniken zum 1. Januar 2015 unter einer gemeinsamen Dachgesellschaft zu vereinen. Das gab der Landrat des Main-Taunus-Kreises Michael Cyriax  gemeinsam mit Frankfurts Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig  am Dienstag offiziell bekannt: „Wir wollen dadurch konkurrenzfähiger werden und mehr Qualität aufbauen.“ Cyriax: „Wir arbeiten an unseren Standorten noch nicht so produktiv, wie es uns andere Häuser vormachen.“ Doch bis dahin müssen erst diverse rechtliche Schritte eingeleitet werden und die Frankfurter Stadtverordneten sowie der Kreistag müssten der Zusammenführung zustimmen.

Nach Angaben der Wirtschaftsprüfer aus dem Hause KPMG würden beide Einrichtungen, wenn sie weiter selbstständig geführt würden, mittel- bis langfristig kaum Aussicht haben, sich selbst finanziell über Wasser zu halten. „Auch wenn beide Häuser unterschiedliche Voraussetzungen haben, bietet ein Zusammenschluss aber die Chance für eine solide wirtschaftliche Zukunft“, sagt Philipp von Hammerstein  von der KPMG. Genauer: Laut Gutachten besteht die Möglichkeit, dass die Kliniken 2018 ohne Verluste abschließen.

Angeblich keine Gehaltskürzungen und Kündigungen

Lesen Sie auch:

Schwere Vorwürfe: Hygienemängel an Klinikum Höchst

Krankenhäuser kämpfen um Geburten

Vor allem im medizinischen Bereich verspricht man sich in Zukunft profitabler zu arbeiten. Das Spektrum soll erweitert werden, in anderen Bereichen will man sich spezialisieren. Denkbar wäre die Gründung eines onkologischen oder eines Gefäßzentrums. Dagegen sollen Apotheken, Labore oder die Küchenbetriebe zusammengeführt werden, ebenso wie die Patientenverwaltung, der Einkauf und die Technik.

Doch zunächst muss die Entschuldung der Main-Taunus-Kliniken vorangetrieben werden. Denn: „Die neue Dachgesellschaft soll lastenfrei gestartet werden“, sagte Cyriax. Er betonte, dass die Grundversorgung an allen drei Standorten im Main-Taunus-Kreis weiterhin gewährleistet sei. Auch der Standort Höchst bleibe weiterhin Maximalversorger.

Trotz der Fusion solle es keine betriebsbedingten Kündigungen oder Gehaltseinbußen geben, kündigte Rosemarie Heilig an. Allerdings bedeute dies nicht, dass die etwa 1400 Mitarbeiter im Main-Taunus-Kreis auf eine einheitliche Vergütung hoffen dürften. Dort hat man sich längst von Tariflöhnen verabschiedet, während diese in Frankfurt noch bezahlt werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare