Bürgerinitiative rudert zurück

Kommunalwahl: Runder Tisch Dieburg verzichtet

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Ohne eigenen Kandidaten bei der Kommunalwahl am 6. März dabei: Der „Runde Tisch Dieburg“.

Dieburg – Entgegen ihrer Planungen wird der aus einer Bürgerinitiative hervorgegangene „Runde Tisch Dieburg“ weder einen Kandidaten bei der Kommunalwahl noch einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Von Jens Dörr

Bei Hessens Kommunalwahlen am 6. März geht in Dieburg entgegen einstiger Pläne keine neue politische Kraft ins Rennen um die Sitze im Stadtparlament: Der Runde Tisch Dieburg (RuDie) hat bis zum Stichtag Ende Dezember keine Kandidatenliste eingereicht. Die im Frühsommer 2015 gegründete Gruppe, die sich im Wesentlichen durch den in der Bürgerinitiative imposant organisierten, letztlich aber wirkungslosen Protest gegen den Bau des Logistikunternehmens Fiege am „Dieburger Dreieck“ zusammengefunden hatte, verzichtet aller Voraussicht nach auch auf einen eigenen Kandidaten für die Dieburger Bürgermeister-Wahl 2017. Dennoch will RuDie weiter lokal aktiv bleiben. Die elfköpfige Runde trifft sich einmal wöchentlich in einem ehemaligen Ladengeschäft in der Dieburger Spitalstraße. Elf Personen bilden momentan den RuDie, neun Dieburger, ein Münsterer und ein Altheimer, alle sind beim Besuch dieser Zeitung zugegen.

Angetrieben von einer „alternativlosen Dieburger Konsenspolitik“

Die Teilnehmer am RuDie sind zwischen 51 und 78 Jahren alt, mehrheitlich im Rentenalter, womit die Herausforderungen beginnen. Als man sich 2015 darauf verständigte, unabhängig von der noch immer bestehenden und mehr als 300 Mitglieder starken Bürgerinitiative „Bebauung Dieburger Dreieck“ frischen Wind in die Kommunalpolitik zu bringen, schrieb man sich die Bemühung um mehr Bürgerbeteiligung in Dieburg auf die Fahnen, wollte Ideen und Anregungen einbringen und das möglichst als neue politische Alternative zu den etablierten Parteien im Stadtparlament. Angetrieben sahen sich die Mitglieder von einer „alternativlosen Dieburger Konsenspolitik“ nicht nur beim Fiege-Bau und der Diagnose, „dass sich der Gewerbering rund um Dieburg zusammenzieht und die Lebensqualität künftiger Generationen bedroht“. RuDie wollte Dieburgs politische Kultur verändern. Innerparlamentarisch wird das der Gruppe nicht gelingen: „Das Ganze ist daran gestorben, dass es zu wenige Leute gibt, die mitmachen wollten“, sagt einer der Mitgliede Dieter Lengnik.

2017 soll es auch keinen Bürgermeisterkandidaten geben

Ab 13 Kandidaten hätte man eine Liste eingereicht, nur einen Bruchteil bekam man zusammen. Selbst unter den neun RuDie-Einheimischen hätten nur „drei, vier“ zur Verfügung gestanden. Die 150 Dieburger in der Bürgerinitiative habe man erfolglos angeschrieben. Unter diesen Vorzeichen stellt RuDie 2017 wohl auch keinen Bürgermeister-Kandidaten, obgleich man das noch nicht abgeschrieben habe. Die infrage kommenden Köpfe aus den eigenen Reihen seien aber zu alt für diese Aufgabe. Nicht in Frage gekommen sei letztlich der Anschluss an eine bestehende Fraktion. Sich aktiv für Dieburg einsetzen wolle man sich aber weiterhin. So gestaltete man Unterrichtseinheiten an der Alfred-Delp-Schule mit. Mit Blick aufs Dieburger Grünkonzept holte man sich Expertenrat ein, nahm eine Ortsbegehung vor. Einige Teilnehmer zählen zu den regelmäßigen Gästen der Ausschuss- und Parlamentssitzungen. Auch die laufende Normenkontrollklage gegen die Fiege-Baugenehmigung sowie das Verfahren gegen die Abschmetterung des Bürgerbegehrens beobachtet man weiter.

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