Es kommt doch nicht auf die Größe an

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Die Szene ist mitgewandert. Das neue Luckys hat sich problemlos etabliert.

Frankfurt – Es war der Treffpunkt der schwulen Szene überhaupt. Nach 27 Jahren musste das „Luckys“ aus der Schäfergasse 27 ausziehen. Jetzt lebt der Klassiker an anderer Stelle weiter. Von Dirk Beutel

Luckys-Geschäftsführer Martin Tannert vor der Innenterasse.

Am 28. Juli war die letzte Party. Dann gingen im „Luckys“ in der Schäfergasse 27 für alle Zeiten die Lichter aus. Es war zwar nicht der älteste Schwulenclub, wohl aber derjenige, der am längsten in einer Hand lag. 27 Jahre lang führte Kurt Joachim Förster, der außerdem einen Buch- und Zeitschriftenverlag für schwule Männer im Rhein-Main-Gebiet besaß, die kultige Schwulenkneipe. Doch die vergangenen zwölf Jahre kümmerte sich vor allem Martin Tannert als Geschäftsführer um das Lokal. Solange bis das „Luckys“ aus seiner alteingesessenen Heimat ausziehen musste. „Der Hauseigentümer hatte andere Pläne. Unser Mietvertrag ging zwar noch bis zum 1. Januar 2013, aber wir sind bewusst früher raus“, sagt der 46-Jährige.

Ein neues Domizil wurde nur wenige Meter vom alten Stammplatz entfernt gefunden. Durch Zufall. Der Inhaber des heutigen Nachbars „Georgs Blumen“ brachte die schon vier Jahre brach liegenden Räume ins Spiel: In der Arabella-Passage, Große Friedberger Straße 26. Dort hat das „Luckys“ am 22. August seine Eröffnungsparty gefeiert. Der wesentliche Unterschied: Das neue Areal ist bedeutend kleiner. Während der alte Mittelpunkt der schwulen Szene um den Klaus-Mann-Platz fast 400 Quadratmeter über drei Etagen fasste, bietet die neue Lokalität nur 75 Quadratmeter.

Martin Tannert sieht die Verkleinerung nicht nur gelassen, sondern sogar als Vorteil: „Wenn 50 Leute im alten „Luckys“ da waren, wurden die von der Größe fast aufgefressen. Bei fünf Gästen wirkte es fast schon verlassen“, sagt Tannert. „Hier ist der Laden früher und länger voll. Es ist ja auch viel kommunikativer, da kann kann sich nicht wie früher mal als Einsiedler ins Abseits stellen.

Zusammen mit Freunden und Stammgästen schaffte es der gelernte Schlosser in nur wenigen Wochen das neue Luckys aus der Taufe zu heben. Nebenbei konnte Tannert seinen Licht-Faible ausleben. Laser, Moving Points oder Lichtröhren: Die gesamte Beleuchtung besteht aus LED-Lampen. „Jede einzelne davon kann ich per Knopfdruck der Stimmung anpassen. Hier konnte ich alles umsetzen, was früher nicht ging“, sagt Tannert.

Und noch eine Neuheit gibt´s im „Luckys“. Die Security-Mitarbeiter schließen die Außentore der Passage um null Uhr. Wer dann noch kommen möchte, muss die Klingel betätigen.

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