Kommentar

Das wahre Gesicht der Angela Merkel

Die Kommentatoren der Öffentlich-Rechtlichen oder die Meinungsschreiber des „Spiegel“ haben in dieser Woche eine neue Angela Merkel erkannt. Endlich rede sie Tacheles. Sie entferne sich von ihrer Moderatorentätigkeit in der Partei und sagt endlich das, was sie denkt. Kommentar von Axel Grysczyk

Dass sie sich nicht dafür entschuldigen wird, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen. Oder dass sie den Flüchtlingen aus Ungarn die Einreise gewährt hat. Auch Gerhard Schröder habe zum Schluss seiner Kanzlerschaft freier gesprochen und das gesagt, was er denkt – ohne Rücksicht auf die Partei. Und zudem sind sich alle Medien-Beobachter einig: Angela Merkel hat dem lange Jahre mit Füßen getretenen „C“ ihrer CDU wieder Glanz verliehen.

Doch handelt Angela Merkel wirklich anders? Nein, sie hat gar keine anderen realistischen Alternativen gehabt. Die komplette deutsche Grenze dicht machen, wäre das im Sinne deutscher Interessen gewesen? Gibt es überhaupt jemanden, der daran zweifelt, dass ein syrischer Flüchtling aufgrund der aktuellen deutschen Gesetzeslage kein Asyl in Deutschland bekommt?

Mehr noch: Die Merkel-Methode ist in Zukunft noch gefragter. Es wird zähe Verhandlungen geben, welches Land was leistet und wie viel Geld es dafür gibt oder welche Zahlungen aus dem EU-Topf möglicherweise sogar eingestellt werden. Merkel wird wieder Kompromisse machen – mit der CSU, aber auch in Europa. Denn die Flüchtlingsproblematik, die größte politische Herausforderung der vergangenen Jahrzehnte, benötigt viel Taktik, Geld und gesellschaftlicher Anstrengung. Merkel hat mit ihren Aussagen längst Terrain bei Verhandlungen abgesteckt.

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