Kommentar

Nach Olympia-Absage: Deutschland wird’s zu viel

Die Hamburger haben die Olympiabewerbung ihrer Stadt für die Spiele 2024 abgelehnt. Die Bürger haben nicht nur einfach „Nein“ gesagt. Es ist vielmehr eine Absage an die Bevormundung von „oben“. Kommentar von Axel Grysczyk

Es scheint so, als überwiegt bei vielen Bürgern derzeit mehr die Skepsis als der Mut und die Lust auf Neues und Unvorhersehbares. Griechenland-Misere schultern, Flüchtlingskrise schaffen, Terror weglächeln – den Menschen wird’s zu viel. Und die Nein-Sager, die eher auf Ängste hören und Misstrauen leben, sind aktuell leichter zu mobilisieren.

Die Hamburger haben eher Themen wie höhere Mieten, lange Staus im Olympiasommer und zahlreiche Einschränkungen durch Sicherheitsvorkehrungen wichtig gefunden, als dass ein neuer Stadtteil auf einem Industriegelände im Hafen entsteht, die Olympiahalle zu einem Kreuzfahrtterminal werden sollte und sich ihre Metropole einfach weiterentwickelt. Sie leben zudem in einer Stadt, die noch nicht verkraftet hat, dass sich die Kosten für ihre Elbphilharmonie verzehnfacht haben.

Die Bürger brauchen Vertrauen zurück. Sie haben es satt, dass ständig „da oben“ etwas entschieden wird, dass sie dann ausbaden sollen. Anpacken, Mut und der unbeirrbare Glaube an den Fortschritt – das hat Deutschland groß gemacht. Jetzt fühlt sich für viele Menschen die Last auf ihren Schultern als zu groß an.

Mit unserem Organisationstalent, unserem Willen und unserer Begeisterung haben wir viele Großereignisse gestemmt. Den Glauben an diese Überzeugungen brauchen wir zurück.

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