Kommentar

Willkommen Postdemokratie!

  • schließen

Eigentlich dachte man Mitte der 90er Jahre, die Diskussion über die sogenannte Postdemokratie in den Sozialwissenschaften sei intellektueller Abfall und wird den Weg von der Theorie in die Praxis nie finden. Kommentar von Axel Grysczyk

Es war der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch, der Züge der Postdemokratie beschrieb: Demokratie besteht nur noch formal aus Wahlen, die öffentliche Debatte wird von PR-Experten gelenkt, der Staat zieht sich in der Fürsorge für seine Bürger immer mehr zurück, und es herrscht ein hohes Maß an Frustration. Dazu kommt der Verfall an politischer Kommunikation, zudem haben einige wenige die Macht über die Medien. Als Silvio Berlusconi erstmals 1994 an die Macht in Italien kam, sah man den Prototypen des Postdemokraten geboren. Nie konnte man in seinen vier Amtszeiten den Eindruck verlieren, dass es ihm mehr um seinen unternehmerischen Erfolg und die Vereitelung der Strafverfolgung gegen ihn ging, als um das Wohl des Staates Italien. Doch irgendwie wollte niemand wahrhaben, dass es etwas nach der Demokratie geben wird. Mit dem Werben von Donald Trump in den USA um das Präsidentenamt hat sich gezeigt, dass wir endlich in der Postdemokratie angekommen sind. Es geht nur noch um Inszenierung, Spektakel und eine Aneinanderreihung von Worthülsen – Inhalte und Strategien für globale Probleme sind Fehlanzeige. Wenn ein Land wie die USA von solchen scheinbaren Eliten dominiert wird, dann ist der Vormarsch der Postdemokratie nicht mehr aufzuhalten. Mit solchen Leuten schafft sich die Demokratie zum Glück nicht ab, aber forciert den Abbau an politischer Teilhabe. Einfach, weil man mit solchen Typen nichts zu tun haben will.

Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

Kommentare