Kommentar

Mut zu mehr Selbstständigkeit

+
Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

EXTRA TIPP-Recherche an der Frankfurter Goethe-Uni: Da erzählt die Studiums-Beraterin, dass es Studenten gibt, die in Begleitung ihrer Eltern zur Sprechstunde kommen. Das ist der Gipfel der Unselbstständigkeit. Kommentar von Axel Grysczyk.

Unsere Jugend wächst heutzutage so verhätschelt auf, dass sie den Schritt ins Erwachsenwerden jenseits der 20 machen – vielleicht auch nie. Und plötzlich schnellen sie in Erinnerung, die Sätze aus dem eigenen Umfeld, wenn Eltern plötzlich stolz über den Nachwuchs berichten: „Wir haben jetzt Abitur!“ Die gute Beziehung zu den Eltern steht nicht zur Debatte. Es geht darum, dass Jugendliche eigene Entscheidungen treffen und vor allem nicht permanent vor vermeintlichen Misserfolgen beschützt werden müssen. Denn gerade an Fehlern lernt man, an Rückschlägen formt sich der Charakter. Diese ständige Rückversicherung durch Anrufe bei den Eltern zeigt die Unsicherheit. Und dieses fehlende Selbstvertrauen sorgt dafür, dass die Verhätschelten im Berufsleben Nachteile erfahren. Wer ein abgeschlossenes Studium hat, ist eigentlich dafür vorgesehen, eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Heute stehen Uni-Absolventen, Anfang 20, in Büros und haben die Kompetenz von früheren Realschülern und die Ausstrahlung von Praktikanten.

Die Ökonomisierung menschlicher Beziehungen fordert in jüngeren Generationen Opfer. Das sind meinungs- und orientierungslose Mitmacher, charakterlich oft an der Schmerzgrenze. Für mehr Eigenständigkeit braucht’s mehr Mut: – bei den Eltern, die die Größe besitzen müssen, ihre Kinder auch mal scheitern zu lassen. Bei den Jugendlichen selbst, die eigene Wohlfühloase zu verlassen und eigene Duftmarken zu setzen.

Kommentare