Kommentar

Das Nichtstun hilft dem Terror

Der IS ist die denkbar bösartigste Folge aus dem Nichtstun der internationalen Staatengemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Es ist zynisch: Erst als die Folgen dieses blanken Terrors bei uns in Westeuropa erfahrbar wurden, wacht Westeuropa auf. Kommentar von Axel Grysczyk

Erst als hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak zu Fuß nach Deutschland kamen, machten sich Politiker dafür stark, den syrischen Bürgerkrieg zu beenden. Die vorherigen fünf Jahre war das weniger wichtig. Erst als der IS in Paris wahllos mordete, wird klar, dass der IS sich gegen die komplette Art des Lebens im Westen stellt. Und wieder hat die westliche Staatenwelt nichts Besseres der Gewalt entgegen zu setzen, als Bomben auf Rakka zu werfen – einer Stadt mit einst 200. 000 Einwohnern, die bereits seit dem Beginn der US-Luftschläge im Stunden-Takt bombardiert wird.

Warum dürfen nach all den Jahren des Terrors noch immer IS-Lkw mit geraubtem Öl die türkische Grenze passieren? Warum ist die Grenze überhaupt noch offen und es können IS-Kämpfer aus dem Ausland unbehelligt einreisen? Warum dürfen immer noch Katar und Saudi-Arabien Waffen und Munition an Terror-Gruppen in Syrien liefern? Und warum gibt es immer noch keine fruchtbaren Bemühungen, die völlig am Boden liegenden Staaten Irak und Syrien zu stärken und eine nationale Aussöhnung voranzutreiben? Die Diskriminierung der Sunniten im Irak war seit dem Saddam-Sturz extrem. Wer es hier schafft, staatliche Strukturen zu unterstützen und Verständigung unter den Bevölkerungsgruppen zu organisieren, der entzieht dem Terror und dem IS die Operationsbasis.

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