Steuerparadies Deutschland

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt. Dieser Satz fällt fast täglich, wenn es darum geht, diejenigen zu ermahnen, die mal wieder ein paar Milliönchen in ein Steuerparadies abgeschoben haben. Und dann – vermeintlich plötzlich – doch vergessen haben, dieses Geld zu versteuern. Kommentar von Axel Grysczyk 

Niemand fragt, warum der Steuerbetrug überhaupt ein Kavaliersdelikt werden konnte.  Es ist der Wahnsinn der Selbstanzeige. Diese vorausgesetzt, bleiben die Täter straffrei, selbst wenn sie Millionenbeträge am Finanzamt  vorbeigeschleust haben. Davon kann ein herkömmlicher Dieb nur träumen. Es bleibt stets der Eindruck: Der vorsätzliche Steuerbetrüger kann sich elegant aus der Affäre ziehen – der gemeine Dieb nicht. Von einem der Steuern hinterzieht, muss man nicht mehr wissen, um zu wissen, dass er ein Lump ist. Da kann man nicht dahergehen und sagen: Weil dieser Lump uns das Geld zurückzahlt, muss er wenigstens nicht in den Knast.

Die Selbstanzeige offenbart eigentlich ein anderes Problem. Unsere Finanzbehörden haben gar nicht die Mittel, Steuersünder  hopp gehen zu lassen. Deswegen müssen sie in ihren Amtsstuben hocken und hoffen, dass sich jemand selbst anzeigt. Ein ärmlicheres Zeugnis für einen modernen Staat kann es nicht geben. Das eigentliche Steuerparadies liegt mitten in Europa und heißt Deutschland – solange man nach einer Selbstanzeige straffrei bleibt.

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