Kommentar

Dank dem Volk zum Millionär

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Roland Koch ist nicht mehr Vorstandsboss bei Bilfinger. Der Ex-Ministerpräsident – ausgestattet bei Bilfinger mit über zwei Millionen Euro Jahresgehalt – musste nach drei Jahren wegen starken Konzern-Verlusten seinen Hut nehmen. Kommentar von Axel Grysczyk 

Dass er nicht die Kompetenz hatte, ein solches Unternehmen zu führen, ist ein Teil des Problems. Die weitaus größere Schwierigkeit besteht darin, dass er überhaupt nur dadurch ein Vorstands-Kandidat wurde, weil er einst Ministerpräsident war. Dieses Amt hat er nicht durch den Nachweis von Fähigkeiten bekommen, sondern weil er gewählt wurde. Das Volk und der Landtag haben ihn zum Ministerpräsidenten gemacht. Also wir! Wir waren es, die ihm das Millionengehalt ermöglicht haben. Hätte das Volk anders entschieden, wäre er nicht an die Hessen-Spitze und gar nicht in den Blick von Bilfinger gelangt. Denn den Nachweis von wirtschaftlichen Fähigkeiten konnte er nicht antreten. Daher war klar, dass Koch nur in die Chefetage kommt. Dort, wo es ums managen geht und man sich nicht durch die Mühlen des operativen Geschäfts quälen muss. Genau wie Silke Lautenschläger, die von ihrem Posten als Umweltministerin als Vorstandsmitglied zur Krankenversicherung DKV gewechselt ist. Es ist nicht das Problem, dass man Quereinsteiger ist oder rasant aufsteigt. Es hat ein Geschmäckle, wenn dies nur gelingt, wenn man zuvor ein Amt inne hatte. Lautenschläger hat sogar ihr Mandat niedergelegt, als sie den gut dotierten DKV-Job bekam. Als Politiker hat man die Wahl: Seinem Land dienen oder seinen Ruf ruinieren und sich durch unerlaubte Hilfe des Wahlvolkes als Raffzahn etablieren. Koch hat sich für das zweite entschieden.

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