Kommentar

Glaubwürdigkeit ist die Währung der Zukunft

+
Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Dass der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst der katholischen Kirche Schaden zufügt, ist unbestritten. Doch dass er durch exorbitante Mehrausgaben beim Bau seines Bischofsitzes einen Fehler gemacht hat, ist nicht das Kernproblem. Kommentar von Axel Grysczyk.

Das Fiasko ist der Verlust der Glaubwürdigkeit. Dabei ist es gerade die Glaubwürdigkeit, die heutzutage in der Öffentlichkeit die entscheidende Rolle spielt. Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat nie verstanden, dass nicht die Vorteilsnahme ihm das politische Genick gebrochen hat, sondern der Verlust an Glaubwürdigkeit. Die Zeiten, in denen man sich eine noble Geisteshaltung leisten kann, dem aber selbst nicht unbedingt entsprechen muss, sind vorbei.

Karl Marx hat, damit er besser denken konnte, die dicksten Zigarren gepafft. Der eigenen Familie ging’s derweil schlecht, weil Geld fehlte. Mit dieser Einstellung wäre er als gesellschaftlicher Vordenker seiner Art heute nicht mehr vermittelbar. Auch jemand wie Jean-Paul Sartre hätte seine Öffentlichkeits-Tauglichkeit heutzutage für immer verspielt, wenn er – wie 1964 geschehen – den Literatur-Nobelpreis ablehnt, aber später nachfragt, ob er doch zumindest das Preisgeld überwiesen bekommt.

Konnte man früher noch schwadronieren oder mit der Umsetzung von Projekten trödeln, wird man heutzutage fürs Verharren oder bei Nichteinlösen von Versprechungen gnadenlos abgestraft. Erst jüngst die Bundes-FDP musste spüren, wie schmerzhaft der Verlust von Glaubwürdigkeit ausfallen kann. Authentisch bleiben, das ist die harte Währung der Zukunft.

Das wird auch der Limburger Bischof bald spüren. Man kann nicht Demut und Verzicht predigen und selbst das Gegenteil vorleben. Es wäre einfach nicht glaubwürdig.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare