Kommentar

Fall Pelham: Kreatives Gedankengut darf nicht geklaut werden 

Seit zehn Jahren streitet der Frankfurter Produzent Moses Pelham mit den Elektromusik-Urvätern von Kraftwerk vor Gericht. Derzeit sind beide Parteien vor dem Bundesverfassungsgericht. Es geht um eine Rhythmussequenz, die einst Kraftwerk kreierte.  Kommentar von Axel Grysczyk

Und die bastelte Pelham in einen seiner Songs ein. Sie ist gerade mal zwei Sekunden lang. Die Pelham-Position: Beim Hip-Hop gehöre es dazu, dass man sich an Elementen aus anderen Liedern bedient, es handelt sich um die Grundidee des „Sampeln“. Die Kraftwerk-Position: Sie sind die Urheber, die geistigen Erschaffer des Tonfetzens. Und wenn den jemand einfach zu kommerziellen Zwecken nutzen will, muss er zumindest fragen. Der Streit ist grundsätzlich: Dürfen Künstler Kreationen eines anderen Künstlers ohne Zustimmung benutzen?.

Die Antwort ist zentral für den Umgang mit geistigem Eigentum im 21. Jahrhundert. Es ist eine Grundeinstellung – befördert durch ständiges Teilen in sozialen Netzwerken –, dass man ohne zu fragen einfach alles benutzen darf. Und das ist falsch!

Für jeden Künstler bildet das geistige Eigentum nicht nur die Grundlage seiner Existenz, mehr noch, sie ist die Keimzelle der Kunst schlechthin. Die Auseinandersetzung eines Künstlers mit bestehender Kunst ist legitim, Kunst zu kopieren für eigene Zwecke dagegen ist arm.

Niemand mag es, wenn er beklaut wird. Und wer stiehlt, muss bestraft werden. Das gilt für Musiker, Schriftsteller, Designer, Werbeschaffende und auch für Journalisten. Deswegen: Wenn Euch nichts mehr einfällt und ihr klaut bei Kreativen, dann fragt vorher, ob das in Ordnung ist.

Kommentare