Kommentar

Diese Streiks sind erst der Anfang!

Jetzt streiken die Postler. Erst die Lokführer, dann die Erzieher, jetzt die Briefzusteller – Deutschland wird zum Streikland. Dabei geht es nur vordergründig bei den Auseinandersetzungen ums Geld. Vielmehr geht es um Anerkennung und – gerade im Fall der Post – um Fairness. Von Axel Grysczyk

Nur der Schwäche der Gewerkschaften ist es geschuldet, dass diese Grundsatzfragen nicht schon früher aufgebrochen sind und das Land und ihre Wirtschaft erschüttern. Warum bekommen Arbeitnehmer für die gleiche Arbeit in einem Unternehmen weniger Lohn? Warum müssen sie mehr arbeiten als andere, obwohl sie den gleichen Beruf ausüben? Nur weil sie später dazu kamen und in eine windige Tochtergesellschaft ausgegliedert wurden.

Darüber hinaus geht es auch darum, was Arbeit wert ist. Gerade im Fall der Erzieher drängt sich die Fragen auf, warum das ganze Land Tag ein Tag aus darüber diskutiert, dass es kinderfreundlicher werden muss, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Erzieher aber unangetastet lassen will.

Unternehmer, die mit Ausgliederungen und Knebelverträgen Wachstum erzielen wollen, haben gleichzeitig keine Scheu, sich in die Öffentlichkeit zu stellen und rauszuposaunen, dass sie keine Fachkräfte mehr finden. Wenn es sich eine ausländische Fachkraft aussuchen kann, kommt sie bei diesen schäbigen Rahmenbedingungen nicht nach Deutschland. In diesem Land ist es schick geworden, zu betonen, dass es uns doch sehr gut geht. Das stimmt! Und doch empfinden junge Arbeitnehmer und junge Familien diese Grundstimmung zunehmend anders. Noch geht es uns gut, aber der soziale Frieden bröckelt.

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