Kommentar

Die Einigkeit bröckelt

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Zum 25. Mal jährt sich der Fall der Mauer am 9. November. An jenem Donnerstag im November 1989 sind die Leitmotive unserer Republik – Einigkeit, Recht und Freiheit – auf für immer unvergessliche und eindrucksvolle Weise sichtbar, anfassbar und vor allem fühlbar gewesen. Kommentar von Axel Grysczyk 

Niemals sind sie stärker zu Tage getreten. Der dann folgende deutsche Einigungsprozess brachte eine neues Zusammengehörigkeitsgefühl für ganz Europa – ein Europa ohne Grenzen und mit nur einer Währung. Nun zum 25. Jahrestag des Mauerfalls bröckelt die Einigkeit. Die EU ist uneins, nationalistische Ideen haben wieder Hochkonjunktur und immer häufiger wird Abgrenzung als Handlungsmotiv propagiert und weniger Integration.

Der 9. November steht zudem für den Freiheitsgedanken. Aber gerade jetzt bekommen beispielsweise Salafisten auch in Deutschland Zulauf, die auf Unterdrückung von Andersdenkenden setzen. Kurzum: Der 9. November 1989 verliert seine Strahlkraft.

Doch dieses Datum lehrt, nie aufzuhören, für Ideale wie Recht und Freiheit auch abseits der Tagespolitik zu streiten und zu kämpfen. Das ist der tiefere Sinn beim Gedenken an diesen Tag. Und dafür gilt es, sich einzusetzen: In der Politik, unter den Kollegen, in der Nachbarschaft.

In jenen Novembertagen 1989 sind wir Deutschen besoffen vor Glück herumgetorkelt. Diese Emotionen bleiben vielen Menschen, die es hautnah erlebt haben, unvergessen. Dieses Hochgefühl hat nachgelassen. Der Nutzen bleibt. Doch er muss weiter verteidigt werden. Damit von Deutschland auch in Zukunft ein friedliches Signal für Europa und die restliche Welt ausgeht.

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