Kommentar

Krieg in Kobane geht auch Deutschland an

Von Axel Grysczyk

Es ist der zynische Höhepunkt der Politik des Wegschauens: Die Schlacht um Kobane. Denn in der syrisch-türkischen Grenzstadt kämpfen Aktivisten der kurdischen PKK und deren syrischer Ableger YPG. Die gelten im Westen als Terroristen. Kommentar von Axel Grysczyk

Und somit kämpfen Terroristen auf der einen Seite gegen Terrormilizen der ISIS auf der anderen Seite. Und so hat sich anscheinend bei westlichen Politikern die makabere Erkenntnis festgesetzt, dass sich die Terroristen ruhig noch ein bisschen bekämpfen können, damit sie in ihrer Gesamtheit einfach weniger werden.

Dabei wird ausgeblendet, dass die ISIS nur so stark werden konnte, weil der Westen bis heute keine Strategie im syrischen Bürgerkrieg gefunden hat. Und was noch schlimmer als dieses lang gepflegte Desinteresse ist: Durch die vom Westen gestatteten Erfolge der ISIS werden diese Schlächter und ihre durchgeknallten Ansichten immer populärer.

Kobane ist für sie ein ständiges Werbevideo, dass dank Live-Ticker auf Nachrichtenseiten der großen Medien weltweit wirkt.

Damit geht dieser Konflikt auch Deutschland an. Unsere Sicherheit ist gefährdet. Kaum vorstellbar, wenn die derzeit über 300 deutschen Kämpfer, die für ISIS in den Krieg ziehen, wieder in unser Land zurückkehren. Und was machen wir?

Wir schicken altes Bundeswehrmaterial an die ausschließlich im Nordirak operierenden kurdischen Peschmerga-Kämpfer. Das ist zu wenig. Erfolgreicher wäre es, wenn wir unsere diplomatischen Fähigkeiten bündeln und eine einheitliche Strategie des Westens vorantreiben. Denn es geht um das Überleben von tausenden Zivilisten und langfristig um unsere Sicherheit.

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