Kommentar

Gütesiegel: Gehirnwäsche für Kunden

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Wer heutzutage einkauft, braucht Kenntnis über einen Wust von Güte-Siegeln, der dem Verbraucher über die Qualität der Produkte aufklärt. Kommentar von Axel Grysczyk  

Doch wie morsch ist unsere Gesellschaft geworden, dass wir Gütesiegel für Leistungen vergeben, die doch eigentlich Standard sein müssten? Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik beispielsweise vergibt das Qualitätsprüfsiegel „VDE Quality Tested“. Es werden Sicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit und Umweltaspekte geprüft. Aber müssten Produkte auf diesem Gebiet heutzutage nicht ohnehin die bestmöglichen Werte aufweisen? Noch besser das CE-Zeichen, das signalisiert, dass sich das Unternehmen an EU-Richtlinien gehalten hat. Noch unverständlicher wird’s, wenn’s um Kleidung oder Nahrung geht. Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel hat der Kunde beispielsweise die Gewissheit, dass das Produkt ohne illegale Kinderarbeit und Zwangsarbeit entstanden ist. Es ist dermaßen niederträchtig, dass Firmen heute erst noch auf etwas hinweisen, was eigentlich Standard sein müsste. Ähnlich ist es beim Kauf von Klamotten, bei denen werbewirksam vermerkt ist, dass das Hemd oder die Jacke nicht unter menschenverachtenden Bedingungen in irgendwelchen Fabriken in Asien entstanden ist. Schlimm ist dabei, dass die Kunden so meinungsschwammig geworden sind, dass sie überzeugt sind, es ist eine Sache des Preises, ob Qualitätsstandards eingehalten werden. Das ist falsch! Nicht der Preis entscheidet, ob mit Anstand produziert wird, sondern Gesetze und internationale Vereinbarungen.

Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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