Kommentar

Widersprüche sind erlaubt

Redaktionsleiter Axel Grysczyk

Deutschland protestiert. Derzeit gerne gegen Großprojekte oder gegen die Energiewende. Das hat gerade bei konservativen Politikern dazu geführt, die Zukunftsfähigkeit Deutschlands in Frage zu stellen. Von Axel Grysczyk

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Man könne nicht gegen Atomkraft sein und dann die geplanten Stromtrassen boykottieren. Es gehe nicht an, Zufahrten gegen Atommeiler zu blockieren und jetzt am Dorfrand gegen die geplante Biogasanlage zu sein. Und erst recht ist es verpönt, eine moderne Infrastruktur zu fordern und sich über Stuttgart 21 zu mokieren. Keine Bange: Trotz all dieser Widersprüche darf protestiert werden. Sie sind Ausdruck eines Meinungsprozesses. Sie sind dafür verantwortlich, dass genauer geprüft wird und manche Entscheidung nachgebessert wird. So funktioniert Deutschland und so hat es auch schon immer funktioniert. Unsere Zukunft wurde nicht verbaut, weil Hunderttausende gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstriert haben und der Staat hat sich nach den Studentenprotesten aus Einsicht auch nicht aufgelöst. Vielmehr geht und ging es immer darum, sich im Dauerwettstreit der Argumente durchzusetzen – genauso wie im Hin und Her der Mehrheiten und in der Unberechenbarkeit der Gefühlslagen der Massen. Nicht jede große politische Herausforderung stellt bei einem vermeintlichen Scheitern die Existenz unseres Landes und Wohlstandes in Frage. Wer keine Lust mehr hat, sich immer wieder Themen zu stellen, sie durchzukauen und sich mit Dauernörglern auseinander zu setzen, wird die Entscheidungsfindung nicht beschleunigen. Die Demokratie macht er auf alle Fälle ärmer.

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