Das analoge Leben ist aufregender

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Kommentar von Redaktionsleiter von Axel Grysczyk

Wüste Beschimpfungen gegen SPD-Chef Sigmar Gabriel auf Twitter, nachdem er auf einer Podiumsdiskussion mit der Netzaktivistin Kathy Meßmer aneinander geriet. Kommentar von Axel Grysczyk.

Gabriel warf ihr vor, die Welt außerhalb des Internets nicht zu kennen. Auch wenn Gabriel politisch nicht immer Begeisterung hervorruft, mit dieser Aussage zuspitzt – im Kern hat er Recht. Das Soziologen-Gequatsche von der digitalen Lebensrealität einer ganzen Generation entkräftet seine Ansicht nicht. Aus einem einfachen Grund: Das Internet hilft, vereinfacht und kann tausende Menschen zusammen bringen. Es ist ein Super-Werkzeug, nur hämmern muss man immer noch selbst. Es ist ein Riesen-Vorteil, dass wir übers Internet einen Einkauf-Nachhause-Bringdienst für Senioren organisieren können. Uns über GPS-Signal anzeigen lassen können, wo sich die Einkaufstasche gerade befindet und erst recht, welcher Laden für welche Produkte der billigste ist. Aber irgendjemand muss aufstehen und den alten Menschen helfen, die Einkaufstaschen zu tragen. Und das bewirkt noch etwas anderes: Wer die Tasche nach Hause trägt, erfährt von den Senioren etwas, was das Internet nicht geben kann: Dankbarkeit. Menschen sind viel spannender als Computer. Eine digitale Lebensrealität aus 10. 000 Facebook-Freunden, 100. 000 Twitter-Followern und unzähligen Cybersex-Abos ist für viele gerade junge Menschen Realität, aber das Leben da draußen abseits von Bytes und Klicks ist grenzenlos aufregender.

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