Kommentar

Nach Europawahl: Politik galant am Bürger vorbei

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Die Euro-Kritiker und die Parteien am rechten und linken Rand sind erstarkt. Das ist das Ergebnis nach der Europawahl. Einhellige Meinung in allen Gazetten: Alles nicht so schlimm, das ist nur eine kleine unwichtige Episode in der Erfolgsgeschichte der Europapolitik. Kommentar  von Axel Grysczyk 

Ist es nicht. Solange die EU dafür verantwortlich ist, dass 700 Milliarden Euro mobilisiert werden können, um das Bankensystem zu stabilisieren, aber nur sechs Milliarden für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung stehen, solange wird Europa suspekt bleiben. Für viele Bürger ist dieses Europa ein Europa der Eliten – fernab der Lebenswirklichkeiten vieler Menschen mit Ängsten und Nöten. Gerade diese Menschen haben Angst, vor nicht mehr bezahlbaren Wohnraum, dem finanziellen Ruin oder vor Altersarmut. Ihre Befürchtungen werden auf das Konstrukt Europa projiziert und die Brüsseler Bürokraten sind es, die ihnen vermeintlich ihre Identität, ihre Sprache und ihre Kultur nehmen wollen. Wer solche Ängste nicht ernst nimmt, ist ein Politik-Banause. Wer jetzt zur Tagesordnung übergeht, der entfernt sich immer mehr von den Themen, die die Bürger im Jahr 2014 wirklich beschäftigen. Das Erstarken des politischen Extremen ist ein Hilfeschrei der einfachen Bürger: „Nehmt uns endlich ernst!“ Dabei ist es eigentlich nachrangig, ob wir in einen links-grünen autoritären Stil schwenken oder die Konservativen weiter wurschteln lassen. Entscheidend ist, dass die wirklich wichtigen Probleme glaubhaft angegangen werden.

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