Kommentar

Erzieherstreik: Kaum Spielraum für mehr Lohn

Den Erziehern gönnt man mehr Geld. Der Kita-Streik scheint berechtigt. Wem will man schon ein Lohn-Plus vermiesen? Was irritiert in dieser Angelegenheit, ist die Kurzsichtigkeit. Kommentar von Axel Grysczyk 

Laut Verdi liegt die Spanne der Einstiegsgehälter zwischen knapp über 1.800 Euro und 3.100 Euro brutto im Monat. Im Schnitt verdienen Erzieher laut Lohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung monatlich 2.519 Euro in Westdeutschland. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung und damit im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent. Nach Angaben der kommunalen Arbeitgeberverbände würde dies rund 1,2 Milliarden Euro kosten. Geld, das irgendwie wieder eingenommen werden muss. Fragt man die Bürgermeister der Region, heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass man eigentlich den Anteil der Eltern-Beiträge erhöhen müsste, weil der kommunale Anteil wesentlich stärker gestiegen ist. Fazit: Brauchen die Kommunen mehr Geld, müssen sie unter den Schwarze-Null-Haushalt-Vorgaben Gebühren erhöhen. Darüber hinaus wird die Allgemeinheit durch weitere Steuern und Abgaben ebenfalls einen höheren Anteil beisteuern. Damit zahlen also Eltern gleich doppelt. Und das vor dem Hintergrund, dass die Löhne bei Erziehern seit 2009 um gut 30 Prozent gestiegen sind. Das sind Lohnsteigerungen weit über dem Durchschnitt der meisten Branchen.

Erzieher sollen mehr Geld bekommen – keine Frage. Aber die Beitrags- und Lohnentwicklungen zeigen, dass die Arbeitgeber kaum Spielraum haben werden. Daher müssen neue Wege der allgemeinen Finanzierung der Kinderbetreuung gefunden werden. Ansonsten bleibt’s auf Dauer Flickschusterei.

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