Kommentar

Freie Bahn für anonyme Internet-Pöbler

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Werden online falsche Behauptungen verbreitet, gibt es keinen Anspruch, den Verfasser preis zu geben. Das hat in dieser Woche der Bundesgerichtshof entschieden. Eine Einladung für alle Pöbler und vor allem ein Niedergang einer jeglichen sachlichen Diskussion. Kommentar Axel Grysczyk

Es ist ein Unterschied, ob ich mit meinem wirklichen Namen – oder wie in diesem Kommentar zusätzlich mit meinem Bild – zu meiner Meinung stehe, oder ob ich unter einem Pseudonym meine Ansicht kund tue. Der reale Name sorgt dafür, dass überlegter formuliert wird. Mehr noch, wenn jetzt höchstrichterlich genehmigt wurde, dass man alles Mögliche unter einem Pseudonym im Internet absondern kann und nicht damit rechnen muss, jemals enttarnt zu werden, dann verlieren Bewertungen von Hotels, Ärzten oder Produkten ihr Gewicht. Ausgenommen sind Beleidigungen oder Verunglimpfungen, aber so weit muss niemand gehen – es reicht die Unwahrheit.

Schlimmer ist aber die Art der Kommunikation. Die Form, sich mit Problemen auseinander zu setzen oder sie aus der Welt zu schaffen. Wem die Argumente ausgehen, der darf pöbeln oder Unwahrheiten verbreiten, ohne das er Sanktionen erwarten muss. Das hat niemand verdient. Es hat auch nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Denn das Grundgesetz will ausdrücklich die freie Meinung schützen, nicht aber diejenigen, die Unwahrheiten verbreiten. Mit diesem Urteil sind die Weichen für mehr Unfairness im Internet gestellt. Ein anderes Urteil wäre wünschenswert gewesen.

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