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Mehr nur als ein Tag der Einheit

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Deutschland feiert sich selbst. Auf 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung können wir zurecht stolz sein. Die Wiedervereinigung ist aber zugleich ein wiederkehrendes Wachrütteln, sich politischen Kraftanstrengungen zu stellen und nicht einzuknicken. Kommentar von Axel Grysczyk

Die Wiedervereinigung hat jeden Steuerzahler in Deutschland einen Zusatzbetrag abverlangt, den aber die Bürger dieses Landes stemmen. Die Einheit wurde zudem begleitet von zahlreichen Fehleinschätzungen führender Politiker (Helmut Kohl: „Es werden blühende Landschaften entstehen.“) und ist trotzdem gelungen. Die deutsche Wiedervereinigung hat aber auch eine neue Weltordnung hervorgebracht, ausgelöst durch eine neue Politik in der damaligen UdSSR und dem Verhalten einiger Ostblockstaaten. Ungarn beispielsweise knipste damals den Stacheldraht durch, heute baut es Zäune auf. Damit verbunden waren eine Menge Ängste und Unsicherheiten – sie alle konnten abgebaut werden.

Der Tag der Wiedervereinigung ist nicht nur ein Tag der Freude über die Einheit Deutschlands. Es ist ein Tag, der uns lehrt an das politisch Unmögliche zu glauben. Er zeigt uns auch, dass wir großen Belastungen Stand halten können und dass das Menschliche über alles politische Hin und Her letztendlich siegt. Wenn irgendwann jüngere Menschen mit dem 3. Oktober weniger anfangen können, sollten sie sich genau diese Nebeneffekte des Tags der deutschen Einheit ins Gedächtnis rufen. Wir werden diese Überzeugungen für kommende Herausforderungen brauchen.

Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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