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Bewährung für DSDS-Sieger: Harte Strafen sind ein Signal

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In dieser Woche hat der Deutschland-sucht-den-Superstar-Gewinner Severino Seeger eine Bewährungsstrafe bekommen, nachdem er geständig war, mehrere Seniorinnen betrogen zu haben. Er gab sich als Bankmitarbeiter aus und kassierte deren EC-Karte ein. Kommentar von Axel Grysczyk

Die milde Strafe wurde begründet mit einem umfassendes Geständnis, dem Versprechen, den Schaden wieder gut zu machen und einer günstigen Sozialprognose. Und das reicht in Deutschland, um nicht in den Knast zu wandern. Ein bisschen Verständnis zeigen und Geld bezahlen – schon ist wieder Gerechtigkeit hergestellt. Was für ein Signal!.

Ähnlich ist es in dem Prozess um den Tod der Studentin Tugce. Der 18-jährige Angeklagte hatte sie mit einem Schlag ins Gesicht niedergestreckt, sie fiel unglücklich und starb später. Schon kurze Zeit hieß es: Es täte ihm leid, und außerdem sei er total betrunken gewesen. Schon im Vorfeld geht die Tränendrüsen-Taktik los, werden die Bewährungsstrafen-Geschütze in Stellung gebracht. Im Prozessverlauf stellte sich heraus, dass der Angeklagte 0,86 Promille im Blut hatte. Außerdem will er nicht mehr aussagen. Sind 0,86 Promille total besoffen und ist Aussage-Verweigerung ein Zeichen von Reue?

Das deutsche Rechtssystem funktioniert hervorragend. Und doch hat die Bevölkerung immer wieder das Gefühl, dass es zu viel um die Situation der Täter geht und zu wenig um die Schwere der Tat. Mehr noch: Die Leiden der Angehörigen oder der Opfer spielen nach Beendigung des Prozesses sowieso keine Rolle mehr.

In beiden Beispielfällen wären höhere Strafen angemessen. Das geben unsere Gesetze durchaus her.

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Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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