Kommentar

Ein bisschen erinnern hilft

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Am Montag ist der 1. September. Da klingelt’s. Kriegsausbruch, Beginn des Zweiten Weltkriegs. In diesem Jahr 75 Jahre her. Von Axel Grysczyk

Für jüngere Generationen verkommt der Tag zu einer Art Folklore: Es muss etwas am Leben erhalten werden, was längst vergessen ist, kaum einen mehr interessiert und in der breiten Masse nicht mehr gepflegt wird. Mit dem Mauerfall sind die letzten unübersehbaren Folgen des Krieges verschwunden. Und trotzdem mahnt uns dieser Tag, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Dieser Tag bringt brachial in Erinnerung, dass wir für unsere Überzeugungen kämpfen müssen und stets aufgefordert sind, sie zu verteidigen. Doch für immer mehr Bürger dieses Landes – insbesondere jüngere – sind Frieden und Freiheit selbstverständlich. Und da sie gelernt haben, dass man sich nichts mehr merken muss und alles nachlesen kann, klingelt’s auch nicht mehr, wenn der Kalender den 1. September zeigt. Der Verlust an Erinnerungskultur im Zusammenhang mit solchen wichtigen Tagen der deutschen Geschichte hilft Demokratiefeinden ihre verachtende Hetze in Deutschland einfacher an den Mann zu bringen. Es wäre wünschenswert, wenn solche Tage und ihre Geschichte stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Denn nur wer einen Grobabriss der Geschichte im Kopf hat, kann die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse einschätzen und bewerten. Daher wäre es wünschenswert, sich zu erinnern und sich die Geschichte zurück vor Augen zu holen – erst recht, wenn es um den 1. September 1939 geht.

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