Frankfurter Soziologe: Zahl der Trinker bleibt gleich

Sind die steigenden Zahlen beim Komasaufen nur ein Mythos?

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Die Zahl der jugendlichen Komasäufer steigt, laut Statistik.

Frankfurt – Die Zahl der jugendlichen Komasäufer steigt. Das sagt die aktuelle Statistik. Der Anstieg seit dem Jahr 2000 ist schockierend. „Alles Quatsch“, sagt der Frankfurter Wissenschaftler Bernd Werse. Ihm zufolge sind die offiziellen Statistiken verfälscht. Von Christian Reinartz

Schuld sind die Eltern, weil sie sich immer mehr um ihre Kinder sorgen.

Alle erschütternden Berichte über immer mehr Jugendliche, die sich ins Koma saufen, lassen Bernd Werse vom Frankfurt Centre for Drug Research (CDR) an der Uni Frankfurt kalt. „Da wird ein Trend heraufbeschworen, der überhaupt nicht der Realität entspricht“, sagt Werse. Verharmlosen will der Wissenschaftler nicht. „Aber es darf auch kein falsches Bild entstehen.“

9500 Jugendliche landeten 2000 im Krankenhaus

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Grundlage für den vermeintlichen Trend sind Zahlen des Bundesamts für Statistik, die vor wenigen Tagen herausgegeben wurden. Demnach landeten im Jahr 2000 wegen „akuter Alkoholintoxikation“ 9500 Jugendliche im Krankenhaus. 2011 waren es schon 26.400 – eine Steigerung um fast 180 Prozent.

Für den Soziologen Bernd Werse, der als Drogen-Spezialist gilt, stimmt zwar die Statistik. „Mehr Komasäufer gibt es deswegen aber nicht“, behauptet er: „Es werden nur mehr statistisch erfasst.“

Seine Argumentation: Heute seine Eltern und Freundeskreis stärker beim Thema Komasaufen sensibilisiert. „Da wird ein Jugendlicher schon ins Krankenhaus geschickt, der früher nie dort gelandet wäre.“ Dieser tauche dann natürlich auch in der Statistik auf. Deshalb von einem tatsächlichen Anstieg zu sprechen, halte er für falsch.

"Es gibt keine Steigerung"

Werse stützt sich bei seinen Aussagen auf handfeste Zahlen. Er und seine Kollegen befragen nämlich jedes Jahr 1500 Schüler und erstellen, gefördert von der Stadt Frankfurt, einen Katalog über Entwicklungen von Drogentrends. Im Fall des Komasaufens haben sie die Schüler nach ihren Trinkgewohnheiten und möglichen Exzessen gefragt – unabhängig davon, ob sie ins Krankenhaus gekommen sind, oder nicht. Das Ergebnis: Seit 2007 sind die Komasauf-Zahlen in Frankfurt auf einem konstant niedrigen Niveau. „Da gibt es einfach keine Steigerung.“

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Überhaupt seien die offiziellen Komasauf-Zahlen immer mit Vorsicht zu genießen. Denn laut den Wissenschaftlern des CDR gelten laut einer festgesetzten Definition schon Trinkmengen von über fünf Gläsern als Komasaufen. „Da ist es klar, dass ich ganz schnell ganz hohe Zahlen bekomme.“ Mit der Realität habe das aber nichts zu tun.

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