Kokain im Busen und in der Beinprothese

Zollfahnder finden immer krassere Schmuggelverstecke

Frankfurt – Die kriminelle Fantasie der Drogen-Schmuggler ist offenbar grenzenlos. Ende Februar schockte eine vollbusige Kolumbianerin die Zöllner in Frankfurt: Im Silkon-Busen der 24-Jährigen war ein Kilo Kokain versteckt. Und die Liste der dreisten Schmuggelverstecke scheint endlos. Von Oliver Haas

Das war ein dickes Ding, das den Zollfandern Ende Februar ins Netz ging: Eine 24-Jährige vollbusige Frau aus Kolumbien wurden wegen Drogenschmuggels festgenommen. Unfassbar: Sie hatte ein Kilogramm Kokain in ihren Brustimplantaten versteckt, wollte damit weiter nach Spanien reisen, wo ihr das Rauschgift aus der Brust von Komplizen wieder entfernt werden sollte.

Die Frankfurter Fahnder wurden hellhörig, weil sie frische Operationsspuren im Brustbereich entdeckten. Als die Kolumbianerin verhört wurde, klagte sie über Brustschmerzen. Nach einer Computertomografie war klar: In jedem Busen stecken 500 Gramm Kokain mit einem Gesamtwert von 50.000 Euro. Durch Strecken des Rauschgiftes wären laut Zollfandungsamt Frankfurt auf dem Schwarzmarkt etwa 200.000 Euro erzielt worden. Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamts Frankfurt, ist fassungslos aufgrund dieses Falles: „Für den deutschen Zoll ist das eine neue Dimension des Körperschmuggels. Wir sind entsetzt über diese perfide Form des Kokainschmuggels.“

1,5 Kilogramm Rauschgift im Hohlraum einer Prothese

Die Fahnder treffen immer wieder auf ungewöhnliche Schmuggelverstecke der Drogen-Dealer. Vor fünf Jahren verhielt sich ein Südamerikaner mit einer Beinprothese am Flughafen verdächtig und wurde von den Beamten genauer unter die Lupe genommen. Zu Recht, denn im Hohlraum seiner Prothese fanden die Ermittler 1,5 Kilogramm des weißen Rauschgiftes. Ende November kontrollierten sie ein Postpaket aus Bolivien, in dem sich eine Hängematte befand und erkannten, dass in zwei Metallröhrchen Kokain eingearbeitet war. Am 29. Januar wollten Schmuggler aus Argentinien 250 Gramm Kokain in 33 Schminkpinseln über Deutschland in die Niederlande einführen. 19.000 Euro hätte man auf der Straße damit erzielen können. 400 Gramm Amphetamin und zirka 250 Gramm Heroin wurden im August 2015 in den Griffen von Springseilen gefunden.

Fotos: Die Verstecke der Drogen-Schmuggler

Auch als vor fünf Jahren 800 Deoroller in mehreren Kisten verzollt werden sollten, hatten die Beamten den richtigen Riecher. Jeder Deoroller enthielt 20 Gramm Kokain, was in der Summe 165 Kilo machte. Drogen im Wert von über 22.000 Euro wollten Händler im Sommer 2015 von Venezuela über Frankfurt nach Großbritannien in Haarbürsten schmuggeln. Als die Bürsten angebohrt wurden, rieselte das weiße Pulver heraus. Und erst kürzlich fand der Flughafenzoll ein Kilogramm Kokain versteckt in zwei Musikverstärkern.

Beliebter Trick: Kokain flüssig machen

Beliebt ist auch der Trick, Kokain vorher flüssig zu machen und Textilien wie Jeanshosen darin einzutauchen. „Das Rauschgift wird aus den Hosen herausgewaschen, schwimmt oben und wird gedann extrahiert und trocknet“, sagt Schmidt. Dies sei eine sehr beliebte Methode. Aber nicht nur Drogen werden kriminell-fantasievoll geschmuggelt. Goldschmuck wird in Babywindeln verstaut, Jaguarzähne werden zwischen Spülschwämme gesteckt.

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