Er könnte auch mit Wattebällchen töten

+
Antonio Daniloski am virtuellen Abzug: Für seine Mitspieler räumt er das visuelle annimierte Feld frei.

Region Rhein-Main – Viele sehen im Computerspiel Counter-Strike die Ursache für die Amokläufe von Erfurt und Winnenden. Seitdem trägt der Ego-Shooter den Stempel eines Killerspiels. Antonio Daniloski ist deutscher Meister und verdient sein Geld als Counter-Strike-Profispieler. Von Andreas Einbock

Diese Diskussion ist für den 19-Jährigen nicht nachvollziehbar. „Das ist einfach Schwachsinn. Mir ist es egal, ob ich am Computer mit Kugeln oder Wattebällchen schieße“, wehrt sich Daniloski gegen die immer wieder in der Öffentlichkeit aufkommende Forderung nach einem Spielverbot. „Es steht einzig nur das Taktische im Vordergrund“, sagt Daniloski, der mit dem Computerspielen vor sechs Jahren begonnen hat.

Nebenjob: Profi-Counter-Striker

Damals habe er jeden Tag bis zu fünf Stunden gespielt. Heute seien es maximal 15 Stunden in der Woche. Und die werden gut bezahlt. Als Spieler hat er seit zweieinhalb Jahren einen Vertrag mit der Berliner Profispieler-Agentur Mousesports. „Wir trainieren jede Woche von Montag bis Donnerstag jeden Abend vier Stunden lang“, zählt er seine Arbeitszeiten auf. Ziel von Counter Strike sei es, das gegnerische Team innerhalb von zwei Minuten am Platzieren einer Bombe zu hindern, oder diese zu entschärfen. „Dabei treten die Terroristen und die Polizisten abwechselnd in 15 Runden gegeneinander an.“

Es geht um 530.000 US-Dollar

In seinem Team aus fünf Spielern ist er der Mann fürs Grobe. „Früher habe ich als Kapitän die Teamstrategie vorgegeben. Nun bin ich die Figur, die die Gegner umschießt“, beschreibt er seinen Platz in der Mannschaft. Sechs bis sieben Turniere spiele er mit seinem Team im Jahr. „Das ist arbeitsintensiver“, so Daniloski, „als man es sich so vorstellt. Wir müssen den Gegner und deren Taktiken gut kennen. Denn: Wer allein spielt, verliert!“ Diesen Teamgeist braucht er ab 2. März. Dann findet auf der Cebit in Hannover die Weltmeisterschaft mit zwölf Teams und einem Preisgeld von insgesamt 530.000 US-Dollar statt.

Dennoch bestimme das Spiel nicht sein ganzes Leben. „Das ist keine Parallelwelt. Die Lagerhallen, Häuser und Wüsten sind zwar sehr realistisch, aber eben nicht authentisch.“ Momentan strebe er eine Ausbildung als Fachinformatiker oder IT-Systemelektroniker an. Vor drei Monaten ist er seiner Freundin von Frankfurt nach Marl gefolgt.

Psychologin: Killerspiele nicht schuld an Gewalttaten

Dass das Spiel nicht als Ursache für Gewalttaten herangezogen werden kann, bestätigt die Computerspiel-Psychologin Lena Krebs von der Universität Frankfurt. „Ein kausaler Zusammenhang konnte keine Studie der letzten 20 Jahre nachweisen.“ Vielmehr hänge der Einfluss gewalthaltiger PC-Spiele von der Persönlichkeitsstruktur ab. So habe auch Krebs‘ Untersuchungen an 24 jugendlichen Computerspielern gezeigt, „dass eher ein inneren Gefühlszustand der Reizbarkeit und Unausgeglichenheit ausgelöst werden kann, zu dem Ärger und Zorn gehören, aber kein aggressives Verhalten gegenüber anderen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare