Von wegen billig

Das bezahlen Prinzenpaare aus dem Rhein-Main-Gebiet für die Fastnacht

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Der Traum von der närrischen Regentschaft geht ganz schön ins Geld.
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Region Rhein-Main – Fastnacht ist eine teure Angelegenheit für die Vereine. Viele sind darauf angewiesen, dass die Prinzenpaare ihre Kosten selbst tragen – und denen ist das Amt einiges wert. Von Franziska Jäger

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 „Von den Ausgaben könnten wir auch einen Kleinwagen anschaffen“, sagen Michael Wolfram und Simone Andrea Klasterka. Doch das Prinzenpaar des Offenbacher Karnevalvereins hat lieber in eine königliche Ausstattung investiert: Maßgeschneiderte Kostüme und Abendgarderobe, Friseur, Orden, Bonbons und Lokalrunden stehen auf der Rechnung närrischer Tollitäten. Für seine Prinzessin und Lebensgefährtin gehe damit ein Mädchentraum in Erfüllung, sagt Prinz Michael.

60.000 Euro und mehr

Die meisten Prinzenpaare finanzieren sich selbst. Große Vereine hingegen können sich auf Sponsoren stützen. So wie der Große Rat der Karnevalvereine in Frankfurt. Hier tritt das NordWestZentrum als Hauptsponsor auf und darf sich damit Prinzliches Haus nennen. Dieses hebt für gewöhnlich eigene Mitarbeiter auf den Thron. „Eine fantastische Werbung“, sagt Prinzenführer Hannes Zimmermann. Der Brauereibesitzer war selbst Prinz, sponserte sich seinerzeit auch selbst: 60.000 Euro hat er investiert. Für die ganze Kampagne werden in Frankfurt laut Zimmermann Gelder in Höhe von 400.000 Euro bewegt – 160.000 kostet allein der Straßenumzug.

Verhältnismäßig gering sind Kosten- und Zeitaufwand für die Regenten des Karnevalvereins Dieburg, dem größten Verein im Bund Deutscher Karneval. Das Paar regiert hier traditionsgemäß erst ab dem Sonntag vor Rosenmontag und erhält Kostüme aus dem Vereinsfundus. Für die ganze Kampagne wendet der Verein 200.000 Euro Sponsorengelder auf.

Längst nicht alle Vereine sind bereit, offen über die Kosten zu sprechen. Der Seligenstädter Heimatbund beispielsweise möchte zukünftige Anwärter nicht verschrecken. Denn auch hier zahlen die Regenten – bis auf die Orden – alles selbst. Das maßgeschneiderte Kostüm ist einer der größeren Posten. Auf 5000 Euro schätzt Thomas Klaffki, Filialleiter bei Karnevalswierts in Frankfurt, eine handgenähte Sonderanfertigung mit Stadtwappen und Prunkärmeln. Nach Informationen aus Fastnachtskreisen liegt die Seligenstädter Gesamtsumme für das Prinzenpaar wie in anderen Vereinen im unteren fünfstelligen Bereich. „Es braucht Idealismus“, sagt Heimatbund-Vorsitzender Richard Biegel.

Tollitäten opfern Jahresurlaub

Die Tollitäten wissen natürlich, worauf sie sich einlassen. Und sind sie erst inthronisiert, spielt Geld nur eine untergeordnete Rolle. „Ich zähle längst nicht jeden Pfennig“, sagt der Seligenstädter Stefan Weitz. Dass ein Prinzenpaar überall Lokalrunden schmeißen müsse, hält er für ein Vorurteil: „Meist wird man auswärts von den Vereinen eingeladen.“ Das sieht der Offenbacher Prinz anders: „Klar gibt man immer mal wieder eine Runde aus.“ Solche Ausgaben könne er gar nicht mehr beziffern: „Man hat eben immer ein paar Scheine in der Tasche.“

Ein paar Scheine, genauer bis zu 14.000 Euro, muss auch der Oberurseler Prinz in der Tasche haben: Er zahlt nicht nur Ausstattung oder Orden, sondern lädt auch zu Empfängen und zum Prinzenball. „Manche ordern noch einen besonderen Sekt oder produzieren ein eigenes Lied“, sagt Stephan Remes, Vorsitzender des Oberurseler Karnevalvereins Frohsinn und Vorstandsmitglied im Narrenrat. Der hat für die aktuelle Kampagne keinen Prinzen gefunden. Das müsse nicht unbedingt an den Kosten liegen, sagt Remes: „Manchmal haben die Familien Einwände. Und der zeitliche Aufwand ist einfach enorm.“ Von Vorteil sei da berufliche Selbstständigkeit. Andere müssen den Jahresurlaub opfern.

120 Termine in der Saison

So wie das Offenbacher Prinzenpaar, das während seiner Kampagne etwa 120 Termine im Kalender stehen hat. Kindergärten, Seniorenzentren, Maskenbälle und so ziemlich jeder Verein im Kreis Offenbach wollen besucht werden. Ähnliches bei den Frankfurtern, die auch bis nach Köln unterwegs sind. In Seligenstadt stehen immerhin noch 80 Termine auf dem Programm: „Und für jeden schreiben wir neue Reden“, sagt Prinz Stefan.

Zeit müssen alle Fastnachter aufwenden. Finanziell kann es aber auch deutlich entspannter laufen, vor allem in kleinen Vereinen. Beim Carneval Verein im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim können die Regenten zu preisgünstigen Kostümen von der Stange greifen, und auch Lokalrunden sind kein Muss: „Ob jemand nur ein paar hundert Euro oder mehr investiert, ist jedem selbst überlassen“, sagt Thomas Klaffki, der dort auch Sitzungspräsident ist, „zumindest bei uns sollten die Kosten niemanden abschrecken.“

Franziska Jäger

Franziska Jäger

E-Mail:franziska.jaeger@extratipp.com

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