Ehre von Gault Millau

Bertl Seebacher aus Oberursel erhält Auszeichnung

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Es ist angerichtet: Warm geräucherter Wildlachs mit Meerrettich und einer roten Bete Terrine.

Oberursel – Er will zurück zu den Wurzeln. Zu den einfachen Gaumenfreuden. Adalbert Seebacher kreiert bekannte Gerichte mit handwerklicher Perfektion. Das beeindruckte auch die Tester des Gault Millau. Von Dirk Beutel

 Über Geschmack kann man streiten, über Handwerkskönnen nicht. Da ist Adalbert Seebacher knallhart. Der 35-Jährige, der seit fünf Jahren das Restaurant Kraftwerk in Oberursel betreibt, ist vom Restaurantführer Gault Millau zum Aufsteiger des Jahres gekürt worden. Seine Kochkunst wurde mit 16 von 20 möglichen Punkten belohnt. Begründung: Ein hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität. „Ich habe das überhaupt nicht erwartet. Da können auch meine Eltern drauf stolz sein. Aber es passt auch zu unserer Gastronomie“, sagt Seebacher und relativiert gleich: „Mehr wäre schon die ganz gehobene Gastronomie, da muss man mal die Kirche im Dorf lassen.“ Das Ergebnis – eine Leistung seines Teams. Bei Seebacher arbeiten drei Köche, Küchenhilfe und Panierprinzessin Felicitas Stehler und ein Azubi.

Fernsehköche sind nicht die schlechteren Köche

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Sein Geheimrezept für den Erfolg: „Es muss nicht nur den Gästen, sondern auch dem Gastgeber Spaß machen. Ich koche nur das, was ich selber mag und das bereite ich dann mit ganzem Herzen zu.“ Dass sein Kollege der Hamburger Fernsehkoch Steffen Henssler kürzlich den Gault Millau als Schmierheft bezeichnete, nimmt der gebürtige Österreicher gelassen: „Jeder hat da seine eigene Sicht. Wer gelobt wird, freut sich. Wer abgestraft wird, ärgert sich.“ Dass aber Fernsehköche die schlechteren Köche seien und nur nach Aufmerksamkeit lechzen, findet Seebacher nicht: „Wenn dadurch das Kochen eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft bekommt und es den Leuten nähergebracht wird, finde ich das gut.“ Denn wer selber kocht, legt Wert auf Qualität der Lebensmittel und kauft bewusst ein. Aber das sei in Deutschland immer noch nicht angekommen. Seebacher hält es da mit Sternekoch Alfons Schuhbeck: „Die Deutschen kaufen lieber ein gutes Motoröl, als ein gutes Speiseöl.“ Seebacher: „Wer auf billig setzt und geiz ist geil, kann nicht Fleisch vom glücklichen Schwein erwarten.“ Aber gut muss nicht immer teuer sein.

Berühmt für sein Wiener Schnitzel

Und das ist Seebachers Maxime. „Eine gute Kartoffelsuppe, oder ein gut zubereitetes Karottengemüse ist unschlagbar.“ Darauf setzt der Küchenchef auch in seinem Restaurant in dem man als optische Zugabe historische Autos betrachten kann. „Wenn ein Gericht in sich stimmig ist, braucht es keine exotischen Experimente“, sagt Seebacher: „Niemand sollte sich zum Geisel der Restaurantführer machen.“ Es gebe zu viele Köche, die über Kreativität schlechte Gerichte verschleiern. Seebacher: „Ein Gulasch hat den Ruf eines billigen Essens, dabei ist es, wenn es gut gemacht ist, genauso wie ein Kartoffelpüree, eine Wonne.“ Bekannt ist der 35-Jährige für seine Wiener Schnitzel. Das Fleisch kommt vom Kalbsrücken, die Panade wird selbstgemacht. Es ist das Handwerk und der Aufwand, die zählen. Das vermittelt Seebacher auch seinem Auszubildenden: „Kochen ist cool, aber Kartoffeln und Zwiebeln schälen, putzen, anrichten, das alles gehört dazu.“

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