Junge Leute haben kein Interesse mehr an Tierzucht

Wer kümmert sich jetzt um Hansi?

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Uwe Ciemer und Willi Dürkes mit zwei noch jungen Nymphensittichen. Die beiden Männer sorgen sich um die Zukunft der Vogelzucht.

Region Rhein-Main –Geringere Einnahmen, weniger Mitglieder und steigende Kosten. Die Existenz von Kleintierzuchtvereinen ist ungewiss. Von Fabienne Seibel

Viele Kleintierzuchtvereine der Region schauen mit tiefen Sorgenfalten in die Zukunft. „Wir bekommen keinen Nachwuchs mehr. Junge Menschen wollen nur ungern Verantwortung für ein Tier übernehmen, vielen fehlt die Zeit dazu“, sagt Willi Dürkes. Der Rentner ist seit 24 Jahren Mitglied des Vogelliebhabervereins Frankfurt-Zeilsheim. „Das Interesse an Tieren nimmt generell ab. Junge Leute haben doch nur noch Handys und die neueste Technik im Kopf“, sagt Dürkes. Schon seit Jahren kämpft sein Verein vergeblich um neue Mitglieder. „Ich habe hier zu Hause in meinen Volieren zirka 130 Vögel, um die ich mich täglich zwei bis drei Stunden kümmern muss. So etwas macht heute kaum noch jemand.“

Uwe Ciemer, ebenfalls Mitglied des Vogelliebhabervereins, fügt hinzu: „Wir können froh sein, dass die ältere Generation so viele Vögel züchtet und noch aktiv ist. Wenn jemand altersbedingt wegbricht, ist das ein Loch, das wir nicht stopfen können.“ Um neue Mitglieder zu gewinnen, veranstaltet der Verein jährlich zwei große Vogelschauen. In diesem Jahr findet sie am 28. und 29. September in der Stadthalle Zeilsheim statt. „Die Vogelschau soll zeigen, dass man auch in kleinem Rahmen züchten kann “, sagt der 44-Jährige.

Hunde und Katzen im Trend

Auch andere Vereine kämpfen mit denselben Problemen. Helmuth Schnabel, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Ober-Erlenbach sagt: „Junge Menschen haben kein Interesse mehr an Tierzucht. Die meisten unserer Mitglieder sind über 50 Jahre alt. "Hin und wieder führt er Kinder über das Vereinsgelände. „Das Erschreckende ist, dass viele Kinder nur sehr wenig über Tiere wissen. Manche wissen noch nicht einmal, dass Küken aus einem Ei schlüpfen.“

Hannelore Stiehl vom Kleintierzuchtverein Hattersheim berichtet: „Hunde und Katzen sind heute im Trend. Hühner, Vögel oder auch Kaninchen sind nicht attraktiv genug, weil man sie nicht so gut streicheln kann.“ Die derzeit zwölf aktiven Mitglieder haben keine Vorstellung, wie es in Zukunft weitergehen soll. „Vergangenes Jahr hatten wir 100-jähriges Jubiläum. Das ist schon sehr traurig, wenn man merkt, wie wenig Interesse dem Verein entgegen gebracht wird“, sagt Stiehl.

Rosemarie Stemmer, Frau des Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins Frankfurt-Rödelheim, gibt sich auch resigniert: „Wir versuchen uns, so oft es geht nach außen zu präsentieren. Doch so langsam stirbt alles aus.“

Kleintierzüchter mit Hoffnung

Es gibt aber auch Fälle, bei denen noch Hoffnung für die Kleintierzucht besteht. Anton Bauer, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Seligenstadt sagt: „Früher war für Kleintierzüchter zwar alles einfacher, aber man kann das auch heute schaffen. Wir wissen um das Problem der sinkenden Mitgliederzahlen, sind selbst aber nicht betroffen.“

Bauer meint, dass man die Begeisterung für die Zucht nach außen tragen muss: „Mann muss sich dahinter klemmen. Wenn man die Jugend gewinnen will, sollte man bei den Kindern ansetzen. Wir arbeiten viel mit Kindergärten und Grundschulen zusammen, haben dort kleine Hühner-

ställe gebaut und so Neugierde geweckt“, sagt Bauer. Sein Tipp: Weg vom Zucht-Leistungsgedanken. „Die Freude an den Tieren muss erhalten werden, doch die ältere Generation der Vereine erwartet manchmal von den Jüngeren zu viel“, sagt der Vorsitzende. „Es ist heute durch ein immer größer werdendes Freizeitangebot schwieriger, die Leute zu begeistern, aber wenn man genügend Vereinsarbeit leistet, schafft man das.“

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Ähnlich verhält es sich bei den Kleintierzüchtern in Frankfurt Heddernheim. Das Erfolgsrezept des Vorsitzenden Fritz Hofmann: Modernisieren. „Man muss mit der Zeit gehen. Wir haben unsere Anlage modernisiert, geben viele Feste, arbeiten mit Schulen zusammen und versuchen attraktiv zu bleiben. Anders geht es heute nicht.“

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