Neue Anlagestrategien

Niedrigzins bringt Stiftungen in die Bredouille

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Mit ihrem Vermögen von ungefähr 936 Millionen Euro (Stand Ende 2012) gehört etwa die Hertie-Stiftung zu den größten privaten Stiftungen Deutschlands. Sie hat ihren Sitz im Frankfurter Grüneburgweg 105.

Region Rhein-Main – Die niedrigen Zinsen belasten deutsche Stiftungen. Die müssen sich zunehmend neue Anlagestrategien überlegen, um ihre Aufgaben weiterhin bewältigen zu können. Von Dirk Beutel 

Nicht nur der kleine Sparer, sondern auch die deutsche Stiftungslandschaft ächzt unter der anhaltenden Niedrigzins-Phase. Die Erträge schrumpfen und das bedroht die Förderarbeit und Unterstützung der Einrichtungen. „Die Erträge haben sich bei den verschiedenen Stiftungen unterschiedlich entwickelt, im Stiftungssektor sind sie bislang stabil geblieben. Nominale Vermögensverluste gab es kaum. Je länger allerdings die Niedrigzinsphase andauert, desto dünner wird die Luft für Stiftungen“, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Das bestätigt Johann-Peter Krommer, Vorstandsmitglied der Stiftung Polytechnische Gesellschaft: „Bleiben die Zinsen langfristig niedrig, ist jede Stiftung in irgendeiner Form betroffen. Die Chancen stehen besser, wenn man sein Kapital breiter streut. Nicht alles in Staatsanleihen der Pfandbriefe stecken, Immobilien oder Aktien sind Alternativen.“ Und: „Je breiter man aufgestellt ist, umso leichter kann man Zinseinbrüche ausgleichen.“ Im Grunde kein Problem, denn Stiftungen können uneingeschränkt am Kapitalmarkt investieren. Nur das einmal gestiftete Grundkapital darf nicht angetastet werden, so sieht es das Stiftungsrecht vor.

Professionelles Vermögensmanagement

Ebenfalls wichtig: Ein professionelles Vermögensmanagement. „Das seit 2009 kontinuierlich nach unten gehende Zinsniveau trifft viele Stiftungen spürbar. Die Folge ist ein Rückgang der Erträge von Stiftungen und damit eine Reduzierung ihrer Handlungsmöglichkeiten. Ein professionelles Vermögensmanagement erhöht aus unserer Sicht die Chancen auf eine gute Rendite auf das Stiftungskapital, aber auch ein Vermögensmanagement kann sich dem niedrigen Zinsumfeld nicht entziehen“, sagt Sven Matthiesen, Geschäftsführer der Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Kann aber eine Stiftung, die eben nur von der Verzinsung ihres Vermögens lebt, ihre Auflagen nicht mehr erfüllen, wird die Stiftungsaufsicht aktiv: „Diese kann die Stiftung von Amts wegen oder auf Antrag der Stiftung auflösen oder ihr einen neuen Zweck geben“, sagt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Darmstadt: „Sofern die Voraussetzungen stimmen, käme es in Betracht, die Stiftung ganz oder teilweise in eine Verbrauchsstiftung umzuwandeln.“ Das würde bedeuten, dass die Stiftung nicht nur ihre Erträge, sondern auch ihr Grundstockvermögen für die Förderung ihrer Zwecke einsetzten kann.

Bislang sei laut einer Befragung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen die Mehrheit aber gut durch die Krise gekommen. Besonders kleine Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Stiftungskapital versuchten sich jetzt breiter aufzustellen, um das Risiko zu minimieren.

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