Schellhaas gegen Thomas

Kurioser Kampf ums Landratsamt

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Will Landrat bleiben: Klaus Peter Schellhaas (SPD).

Region Rhein-Main - Im Frühjahr 2015 wird im Landkreis Darmstadt-Dieburg der neue Landrat bestimmt. Amtsinhaber Klaus Peter Schellhaas kandidiert erneut für die SPD. Die CDU nominierte den parteilosen Dieburger Bürgermeister Werner Thomas – den sie im Stadtparlament bislang bekämpfte. Von Jens Dörr

Bis 2005 schien die CDU ein Abo auf den Chefsessel im Dieburger Rathaus zu haben, ehe der parteilose Schulleiter Werner Thomas Amtsinhaber Peter Christ überraschend besiegte. 2011 siegte Thomas erneut, musste nicht einmal in die Stichwahl. CDU-Kontrahent Harald Schöning landete abgeschlagen auf Platz zwei. Im Stadtparlament stellen die Christdemokraten aber weiter die größte Fraktion und sind – obwohl ohne absolute Mehrheit – die wichtigste Macht in der früheren Kreisstadt. Gerade die CDU um ihren ambitionierten Fraktionsvorsitzenden Renee Exner nahm sich Bürgermeister und Verwaltung immer wieder deutlich zur Brust.

Nun sollen Exner und Co. Wahlkampf für Thomas machen. Man werde dennoch weiterhin „konstruktive Kritik“ üben, lehnt Exner einen Schmusekurs bis zur Wahl in sieben Monaten ab. Thomas’ Amtszeit als Bürgermeister liefe noch bis 2017. Bis dato hatten seine Wähler auch auf seine Arbeit im Rathaus gesetzt, die Nominierung zum Landrats-Kandidaten kam völlig überraschend. „Die Wahl zum Landrat findet nun mal statt, bevor meine Amtszeit in Dieburg endet“, sagt Thomas. „Deshalb hoffe ich auf das Verständnis der Leute. Wenn ich zum Landrat gewählt werden sollte, könnte eine Bürgermeister-Neuwahl noch vor den Sommerferien abgehalten werden. Werde ich nicht der neue Landrat, bleibe ich bis 2017 Bürgermeister.“

Ausgang der Wahl scheint offen

Während der Ausgang der Wahl zwischen den beiden Kandidaten, die trotz aller amtsüblicher Kritik parteienübergreifend und auch in der Bevölkerung durchaus hohes Ansehen genießen, völlig offen scheint – obwohl Darmstadt-Dieburg als eher sozialdemokratisch geprägt gilt – ist derweil klar: Dieburg ist zwar seit der Gebietsreform in den 70ern keine Kreisstadt mehr, wird aber dennoch privat wie beruflich Heimat des nächsten Landrats sein. Der 61-jährige Thomas ist ein Kind der Stadt, Teile der Kreisverwaltung befinden sich zudem nach wie vor in Dieburg. „Obwohl ich selbstverständlich ein Landrat für den ganzen Kreis sein werde, wäre ich so zweimal wöchentlich im Dieburger Landratsamt anzutreffen“, kündigt Thomas an, der seine Geschäfte ansonsten von Darmstadt-Kranichstein aus führen würde.

Der 54-jährige Schellhaas wird durch seine Dieburger Lebensgefährtin, die politisch für die gegnerische CDU aktiv ist und mit der er in Dieburg bauen will, zunehmend ebenfalls zum Bewohner der Gersprenzstadt.  Während der inhaltliche Wahlkampf in den kommenden Wochen Fahrt aufnehmen dürfte – Kreisfinanzen, Krankenhäuser und Schulpolitik dürften in der Sache dominieren – könnte der Dieburger CDU ein anderer Gedanke den Kampf für Thomas als eigenen Landrat versüßen: Sollte Thomas gewinnen und eine Bürgermeister-Neuwahl mit sich bringen, stünden die Chancen der Christdemokraten aufs höchste Amt der Stadt wieder besser. Immer wieder gehandelter, möglicher CDU-Kandidat: Fraktionschef Renee Exner.

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