Im Dienst der Wissenschaft

Jäger der verlorenen Fossilien

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Tagsüber graben, abends untersuchen und präparieren und Abdrücke machen: Klaus-Dieter Weiß über einem Ölschiefer in seinem Museum in Fischbach.

Kelkheim – Er findet, was die Erde jahrtausendelang verborgen hielt. Klaus-Dieter Weiß ist Hobby-Paläontologe und hat abertausende fossile Schätze an Museen gespendet. Von Dirk Beutel

 „Das ist kein Hobby mehr, das ist der Wahnsinn“, sagt Klaus-Dieter Weiß über sich selbst und seine Freizeitbeschäftigung. Wenn man den Geschichten des 54-Jährigen zuhört, ist man geneigt ihm zu glauben. Weiß ist Hobby-Paläontologe und gräbt seit 48 Jahren mit Hammer, Meisel und Taschenlampe bewaffnet, immer im Dienst der Wissenschaft. Aber nicht immer legal.

Das Fischbacher Fossilienmuseum beherbergt eine der größten privaten paläontologischen Fischsammlungen. Besichtigungen und Führungen für Kinder und Erwachsene nach Vereinbarung unter (06195) 63340.

Jahrelang ging er in der Grube Messel als Schwarzgräber auf Fossilienjagd. „So lange, bis sichergestellt war, dass die Funde dort für die Nachwelt erhalten bleiben“, sagt Weiß. Dort wurde jahrelang ernsthaft darüber diskutiert, aus der Grube eine zentrale Mülldeponie für Südhessen zu errichten. Nach eigenen Angaben hat Weiß die meisten Strafzettel für illegales Graben bekommen. 18 Stück an der Zahl. Das höchste Bußgeld betrug 1600 Deutsche Mark.
Als die Grube vom Land Hessen gekauft wurde, und der Betrieb der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft übergeben wurde, schenkte Weiß dem Hessischen Landesmuseum seine ganzen Eroberungen aus dem Ölschiefer. „Die Fundstelle war hier, also sollen die Fossilien auch in der Nähe ausgestellt werden“, sagt Weiß. Dass etwa das bekannte Ur-Äffchen Ida, das in Messel gefunden wurde, über einen privaten Besitzer an ein Museum in Norwegen verkauft wurde, tut einem wie Klaus-Dieter Weiß in der Seele weh.

Funde für die Nachwelt retten

Etwa eine halbe Million fossile Funde und Mineralien hat er Museen auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt. Massenfunde wie Muscheln oder Zähne nicht miteingerechnet. Dazu kommt: Was er zutage fördert, ist nicht nur Millionen Jahre alt, es ist auch Millionenschwer. Aber das Geld interessiert den abenteuerlustigen Wühler nicht. Noch nicht mal seine Unkosten, wie Benzingeld, habe er von irgendwem erstattet bekommen. Für ihn zählt nur, was er für die Nachwelt retten kann. Wie etwa das fossile Riff, das er in Ägypten gefunden hat, darin nicht nur zahlreiche Mördermuscheln, sondern auch ein Wal mit einer Länge von sechs Metern. Oder als er in Südfrankreich zwölf neue Saurierarten ausgemacht hat. Doch das ist noch gar nichts. Rund 50 Funde wurden nach ihm benannt. So wie der erste Singvogel der Welt, den Weissioris Mickilichi, oder der Weissobatis, ein fossiler Adlerrochen.

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Gerade erst wieder vor anderthalb Wochen hat der Fossiljäger eine sensationelle Entdeckung für Insektenforscher gemacht. Er hat einen Schmetterling aus der Römerzeit im Altmühltal gefunden. Den Kaligramma aus der Römerzeit. „Es wurde bisher nur ein Exemplar entdeckt – ein Männchen. Und ich habe ein Weibchen“, sagt Weiß. Doch ganz besonders stolz ist Weiß auf seinen Fund von 1998: Auf den Juravenator, auch Borsti genannt. Der vollständig erhaltene kleine Dinosaurier wurde von der Paläontologischen Gesellschaft sogar zum „Fossil des Jahres 2009“ gekürt. Aber wie findet der gelernte Schlosser nur all diese wertvollen Mosaiksteine der Geschichte? „Ich bin da wie ein Trüffelschwein“, sagt Weiß mit einem Lächeln. Seine Arbeit wurde bereits mehrfach geehrt. Der 54-Jährige ist zum Beispiel Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Sogar ein Ehrendoktor wurde ihm angeboten. Doch den lehnte er ab: „Doktor soll derjenige sein, der auch ein richtiger Doktor ist“, sagt er. Und wenn Weiß nicht gerade auf Fossilienjagd ist, untersucht und präpariert er sie für sein Museum, das es seit über 30 Jahren in Fischbach gibt.

Einblick in das Fossilienmuseum Kelkheim

Fossilienmuseum in Kelkheim

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