Klagende BIBDD-Mitglieder warten noch auf Urteil

Fiege-Bau in Dieburg: Eilverfahren lässt auf sich warten

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Gestalt angenommen hat das 550 Meter lange Reifenlager am „Dieburger Dreieck“.

Dieburg – „Die heiße Phase des Kampfes ist vorbei“: Was nach durchatmenden Lokalpolitikern und siegessicherem Unternehmen klingt, ist das Fazit, das die Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck (BIBDD) unter der Woche zog. Von Jens Dörr 

Obwohl private Kläger und die Gemeinde Münster juristisch alles versucht hatten, einen Baustopp des riesigen Reifenlagers der westfälischen Firma Fiege zwischen Dieburgs Osten, Münsters Süden und Altheims Nordwesten zu erreichen (der EXTRA TIPP berichtete, nachzulesen auf www.extratipp.com), sind die Fakten inzwischen geschaffen.

Bereits vor mehreren Monaten, als der stark kritisierte Bau der 550 Meter langen Halle vom Dieburger Stadtparlament fast einstimmig politisch beschlossen und ein Bürgerentscheid zugelassen worden war, reichten die Anwälte einiger BIBDD-Mitglieder im Rahmen eines Eilverfahrens Klage gegen die Baugenehmigung beim Verwaltungsgericht Darmstadt ein. Der Bürgerentscheid hätte den Bau allerdings nicht verhindern, sondern nur die Rahmenbedingungen ändern können. Am Verwaltungsgericht kündigte man eine Verfahrensdauer von etwa zwei bis drei Monaten an.

Ende Juli schon auf schnelle Entscheidung gedrängt

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Daran maßen die Kläger das Gericht, drängten nach Ablauf dieser Zeit Ende Juli auf eine schnelle Entscheidung. Die Furcht: Selbst wenn nach Abschluss der juristischen Prüfung ein Baustopp verhängt werde, könne der Bau, der in der Zwischenzeit ungehindert weiter ging, bereits weitestgehend beendet und damit Fakten geschaffen sein. So ist es jetzt gekommen: Die klagenden BIBDD-Mitglieder warten immer noch auf ein Urteil, Fiege kündigte für den November den Start eines Teilbetriebs am „Dieburger Dreieck“ an. „Wir sind enttäuscht, dass so etwas Eilverfahren heißt“, sagt in Michaele Krumbach die BIBDD-Vorsitzende. Sie vermutet eine „Verzögerungstaktik“. Das Prinzip: Im Verfahren müssen alle Beteiligten – darunter auch der Landkreis, der die Baugenehmigung erteilt hat – gehört werden. Jene, die kein Interesse an einem Baustopp hätten, hätten es mit ihren Stellungnahmen wohl nicht besonders eilig. Offenkundig sei aber auch das Verwaltungsgericht mit der „eiligen“ Durchführung eines „Eilverfahrens“ wegen zu großer Arbeitsbelastung oder Personalmangels überfordert.

2015 soll Fiege-Betrieb starten

In Kürze also geht es wohl los im Fiege-Bau, wobei der An- und Abtransport von Autoreifen, die besonders von einem Hersteller im Odenwald angeliefert und von Dieburg aus in die ganze Region weitertransportiert werden sollen, erst 2015 in Fahrt kommen wird. „Ich werde mich beim Start nicht dort hinstellen und demonstrieren. Da müsste ich eher vors Dieburger Rathaus gehen“, sagt Krumbach.

Die Frage ist, ob bald die BIBDD und das intensiv angeeignete Wissen einiger ihrer Mitglieder wieder brach liegt. Offenbar wollen sich manche von ihnen auch in Zukunft in die Entwicklung Dieburgs einbringen: „Einige Mitglieder haben Spaß daran gefunden, die Lokalpolitik künftig zu begleiten“, so Krumbach. Sie schließt es nicht aus, dass eine neue Gruppe bei der nächsten hessischen Kommunalwahl 2017 in Dieburg antritt. Die BIBDD-Vorsitzende selbst will erst einmal wieder Luft holen: „Das letzte Jahr hat mich sehr viel Energie gekostet.“

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